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Christoph Beyer / Jan Gerber / Anja Worm
Das Bekenntnis zu Auschwitz. Zur »neuen deutschen Erinnerungskultur«
Vortrag in Leipzig, November 2003 (überarbeitete und leicht gekürzte
Version)
I. Wie der Ankündigung für diese Podiumsdiskussion zu entnehmen
ist, soll die große Frage des heutigen Abends lauten: Lässt
sich das derzeitige Miteinander der Deutschen eher mit dem Begriff Zivilgesellschaft
oder eher mit dem Wort Volksgemeinschaft umschreiben? Da diese Veranstaltung
der Skandalisierung der Ereignisse am Volkstrauertag 2002 in Halle dienen
soll – für diejenigen, die es nicht wissen: bei der offiziellen
Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag legten die Repräsentanten
der Stadt Halle im letzten Jahr gemeinsam mit 200 Neonazis Kränze
für die »Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft« nieder
–, würden wir gern drei andere Fragen diskutieren: 1. Was hat
sich im Bereich der deutschen »Erinnerungskultur« in den letzten
Jahren verändert? 2. Welche Ursachen haben diese Veränderungen?
3. Was ist in diesem Bereich für die nächsten Jahre zu erwarten?
Zur Frage »Volksgemeinschaft oder Zivilgesellschaft?« nur
so viel: Sie ist möglicherweise falsch gestellt. Anetta Kahane, die
erste und letzte Ausländerbeauftragte der DDR, erklärte hierzu
1996 in einem Vortrag: »Wo […] können wir in den neuen
Bundesländern Partner oder Verbündete finden, die bereit sind,
mit Präzision auf dem Unterschied zwischen Volksgemeinschaft und
Zivilgesellschaft zu bestehen?« Möglicherweise ist diese Weigerung
nicht nur auf eine mangelnde Bereitschaft zurückzuführen, sondern
darauf, dass sich dieser Unterschied »präzise« gar nicht
benennen ist.
II. Nach dieser Randbemerkung zu den eigentlichen Fragen: Bis in die
80er und 90er Jahre hinein stießen diejenigen, die die Erinnerung
an Auschwitz wach halten wollten, auf Abwehr, Aggression und Leugnung.
Der Hinweis auf Auschwitz galt als Kampfansage an die deutschen Verhältnisse.
Als sich Martin Walser 1998 über die »Dauerrepräsentation
unserer Schande« beschwerte, galt das vielen, auch sehr klugen Leuten
noch als neuer Höhepunkt einer Schlussstrichoffensive, die von der
Bitburg-Affäre 1986 über die Diskussionen um die Neue Wache
und die Goldhagen-Debatte bis hin zur Auseinandersetzung zwischen Martin
Walser und Ignaz Bubis führte. Im Rückblick erwiesen sich all
diese Ereignisse jedoch lediglich als letztes Aufbäumen oder Rückzugsgefecht
– das manchmal auch den Charakter von Vorwärtsverteidigung
annehmen konnte – der konservativen Erinnerungspolitik. Gerade das,
was Walser beklagt: die »Dauerrepräsentation unserer Schande«,
der regelmäßige Verweis auf Auschwitz, ist in der Bonner Republik
Mainstream, das heißt: staatstragend. Von einer Schlussstrichmentalität
kann nicht mehr die Rede sein. Um mit Jürgen Elsässer aus seinen
besseren Tagen zu sprechen: »So viel Auschwitz war nie.« Mit
Verweis auf Auschwitz und seine so genannte Aufarbeitung in Deutschland
wurde der erste deutsche Krieg seit 1945 geführt; mit Verweis auf
die so genannten »Lehren der Vergangenheit« (»Nie wieder
Krieg, nie wieder Auschwitz!«) wird der Kampf gegen antisemitische
Diktatoren kritisiert.
Die Geburtsstunde dieser »neuen deutschen Erinnerungskultur«
dürfte der Historikerstreit von 1986 sein. Zur Erinnerung: Ernst
Nolte versuchte Auschwitz damals zu relativieren, indem er erklärte,
der Holocaust sei eigentlich eine asiatische Tat, eine Reaktion auf das
»viel ursprünglichere« Archipel Gulag. Jürgen Habermas,
der heutige Hausphilosoph von Rotgrün, brachte gegen diesen tatsächlich
sehr altbackenen Geschichtsrevisionismus damals seinen Verfassungspatriotismus
ins Spiel und erklärte: »Nach Auschwitz können wir nationales
Selbstbewusstsein allein aus den besseren Traditionen unserer nicht unbesehen,
sondern kritisch angeeigneten Geschichte schöpfen [...] Wir müssen
also zu unseren Traditionen stehen, wenn wir uns nicht selbst verleugnen
wollen.« Wenige Jahre später war von Eberhard Jäckel,
damals Sprecher des Initiativkreises für die Errichtung des Holocaust-Mahnmales
in Berlin, Ähnliches zu hören. Zu Beginn der Projektplanung
erklärte er: Der Bau einer zentralen Gedenkstätte für die
Opfer des Massenmordes sei »eine nationale Aufgabe und Verpflichtung«.
Habermas und Jäckel gaben mit ihren damaligen Kommentaren genau das
wieder, was in ihrem Umfeld, im linken und linksliberalen Milieu, bereits
seit den 70er Jahren diskutiert wurde. Hatte die Thematisierung des Massenmordes
um 1968 noch den Zweck, die »Ursachen des Vergangenen«, von
denen damals viel, wenn auch vereinfachend gesprochen wurde, zu beseitigen,
wurde nach dem Scheitern der Protestbewegung auch von ehemaligen Protagonisten
der Studentenrevolte affirmativ auf die Funktion der Erinnerung für
die nationale Selbstfindung, die nationale Sinn- und Identitätsstiftung
verwiesen. Diese Wandlung spiegelte sich nicht nur im permanenten Gerede
über deutsch-jüdische Verbrüderung, in der großen
Klezmer-Offensive oder im Modewort »Trauerarbeit« wider, sondern
auch in den neuen Begründungsmustern für den Internationalismus
des linken und linksliberalen Milieus. Dieser Internationalismus wurde
plötzlich weniger mit dem Unrecht in anderen Ländern gerechtfertigt;
man begründete sein Engagement vielmehr damit, dass man deutscher
Linker oder deutscher Linksliberaler sei. In der Taz
und in anderen Publikationen war dementsprechend regelmäßig
zu lesen: »Aufgrund der deutschen Vergangenheit müssen gerade
wir gegen Unrecht vorgehen, sind gerade wir als Deutsche
besonders gegenüber Unrecht sensibilisiert.« Über Auschwitz
wurde, mit anderen Worten, nicht mehr geschwiegen; der Verweis auf die
deutschen Verbrechen diente ebenfalls nicht mehr dem Zweck, die Verhältnisse,
die zu Auschwitz geführt haben, umzustürzen. Auschwitz sollte
vielmehr – wenn auch zunächst kritisch – als sinnstiftendes
Element in die nationale Identität integriert werden; aus der deutschen
Vergangenheit wurde ein besonderes deutsches Geltungsbedürfnis, ein
besonderer deutscher Geltungsdrang gezogen. Während die Konservativen
und Rechten noch glaubten, dass sich aus der Vergangenheit, wie sie tatsächlich
war, auch beim besten Willen kein nationales Selbstbewusstsein ableiten
lässt (und sie gerade aus diesem Grund zum Mittel der Leugnung und
Relativierung griffen), begriffen die Vertreter der »neuen deutschen
Erinnerungskultur« Auschwitz als eine der zentralen Quellen deutschen
Nationalbewusstseins; während die Konservativen und Rechten nicht
mehr über Auschwitz reden wollten, konnten die Vertreter der »neuen
deutschen Erinnerungskultur« – das Klezmer-Milieu, das eine
Menora zum Wohnzimmer-Interieur zählt und seinen Kindern bevorzugt
jüdische Vornamen gibt – gar nicht mehr damit aufhören.
Die Linken und Liberalen brachen allerdings nicht nur mit der konservativen
und rechten Erinnerungspolitik; die »neue deutsche Erinnerungskultur«
führte die konservative Politik zugleich in einer Art volksgemeinschaftlichen
Fusion weiter. Mit anderen Worten: Ernst Nolte hat den Historikerstreit
nicht, wie 1986/87 immer wieder behauptet, verloren; er teilt sich das
Siegertreppchen vielmehr mit Jürgen Habermas. Der Grund: Die Vertreter
der »neuen deutschen Erinnerungskultur« wollen zwar, wie Habermas,
aus der »nicht relativierten Vergangenheit« nationales Selbstbewusstsein
ziehen. Dabei stehen sie allerdings vor dem gleichen Problem wie die Konservativen
und Rechten: Aus der deutschen Geschichte, wie sie war, lässt sich
auch beim besten Willen kein nationales Selbstbewusstsein entwickeln.
Es gilt nach wie vor, was Dan Diner in den 80er Jahren erklärt hat:
»Der Rückkehr Deutschlands zu sich selbst, zu einer positiv
besetzten nationalen Identität wird von einem Ereignis der Weg verstellt,
das sich jeglicher Integration versperrt: Auschwitz.« Diejenigen,
die sich die deutsche Geschichte wie Habermas uneingeschränkt aneignen
wollen und fordern, die Vergangenheit nicht zu relativieren, sind selbst
auf Verharmlosung und Relativierung angewiesen – die von ihrer Seite
freilich weitaus effektiver betrieben wird, als von ihren Vorgängern.
Ein Beispiel: Voraussetzung für den Einsatz deutscher Truppen in
Jugoslawien war der Vergleich der Situation im Kosovo mit Auschwitz. Dieser
Vergleich war bekanntlich kein kritischer Bezug auf die deutsche Tat Auschwitz.
Er war, wie Holocaust-Überlebende in einem offenen Brief richtig
feststellten, vielmehr eine »neue Form der Auschwitz-Lüge«.
III. Nachdem bisher vor allem von »Milieus« oder Personen
wie Habermas gesprochen wurde, soll nun dem Eindruck entgegengetreten
werden, dass die erinnerungspolitischen Veränderungen der letzten
Jahre ausschließlich auf den Austausch von »Trägergruppen«
zurückzuführen sind. Die Menschen machen zwar ihre »eigene
Geschichte«. Sie machen sie allerdings, wie Marx im 18. Brumaire
erklärt, »nicht aus freien Stücken, nicht unter selbst
gewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und
überlieferten Umständen«. Zu diesen »Umständen«,
unter denen die Menschen Geschichte machen, zählt spätestens
seit der Mitte des 20. Jahrhunderts die Kulturindustrie. Ohne einen Blick
auf ihre Mechanismen lässt sich die Transformation der Erinnerung
an Auschwitz nur unzureichend erklären. Detlev Claussen beschreibt
die Wirkung dieser Mechanismen auf den Umgang mit dem Massenmord in einem
leider wenig beachteten Aufsatz von 1995 folgendermaßen: »Auschwitz
verschwindet, obwohl oder vielleicht gerade weil vom Holocaust überall
und ständig die Rede ist.« Das Sinnlose und Unbegreifliche
von Auschwitz sperrt sich der kulturindustriellen Verwertung, die geradezu
nach Sinn und Begreifbarkeit verlangt. Um in den Sparten der Kulturindustrie
dennoch über den Massenmord »erzählen« zu können,
muss er entkontextualisiert und in eine Story verpackt werden. Dabei kann
stets nur die doppelte Ausnahme präsentiert werden: 1. das Einzelschicksal
eines Individuums, wo es doch gerade um den Verlust jedweder Individualität
geht; 2. der Überlebende, der im Unterschied zur Mehrheit seiner
Leidensgenossen das Glück hatte, nicht ermordet zu werden. Das Irrationale
von Auschwitz muss damit rationalisiert, dem Sinnlosen muss nachträglich
Sinn gegeben werden. Noch einmal Claussen: »Die publikumswirksamen
Produkte der Massenkultur erzeugen post crimen einen Sinn, der
durch Auschwitz gerade dementiert worden ist.« Auschwitz verwandelt
sich so in den »gigantischen kulturindustriellen Artefakt Holocaust«
(Claussen), der im Abendprogramm gleichberechtigt neben »Stirb langsam«,
»Dirty Harry IV« und »Hitlers Frauen« steht. Die
kulturindustrielle Verwandlung von Auschwitz, die die Herausbildung der
»neuen deutschen Erinnerungskultur« (Stichwort: Bekenntnis
zu Auschwitz) antizipiert und sekundiert, betreibt damit genau das, was
auch das Anliegen der konservativen und rechten Erinnerungspolitik war:
Auschwitz wird relativiert und mit anderen Ereignissen vergleichbar gemacht.
Bei Gedenkveranstaltungen wie am Volkstrauertag kann gleichermaßen
um die Opfer von Auschwitz und um gefallene Wehrmachtssoldaten
getrauert werden; im Fernsehen kann auf »Schindlers Liste«
ein Film über die Vertreibung der Deutschen durch die Rote Armee
oder ein Western über Buffalo Bill folgen. Die Unterschiede verschwimmen,
das Kosovo wird zu Auschwitz, Scharon zu Hitler und der Mord an den Indianern
zum Holocaust. Am Ende der derzeitigen Entwicklung, bei der sich Kulturindustrie
und »neue deutsche Erinnerungskultur« wechselseitig bedingen,
steht damit nicht die willkürliche Einsetzbarkeit von Auschwitz als
außenpolitische Spielmarke. Tendenz der derzeitigen Entwicklung
ist vielmehr das vollständige Verschwinden von Auschwitz. Wird jedes
mittelschwere Verbrechen mit dem Massenmord an den europäischen Juden
gleichgesetzt, verliert Auschwitz auf Dauer seinen spezifischen Schrecken
– und damit zugleich seine Verwendungsfähigkeit als Legitimationsgrundlage
für die deutsche Außenpolitik. In einigen Jahren könnte
dementsprechend zu hören sein: »Auschwitz, das war doch so
etwas wie im Kosovo. Nicht sehr schön, aber es gibt Schlimmeres.«
Zum Beispiel der Vormarsch der amerikanischen Truppen im Irak, über
den uns Sat 1 bald mit einem Dokudrama beglücken könnte.
IV. An dieser Stelle könnte der Vortrag eigentlich beendet werden.
Das Problem: Geschichte und die menschliche Psyche funktionieren nicht
so mechanisch, wie es gerade dargestellt wurde. Diesem mechanistischen
Ablauf, der zum Verschwinden von Auschwitz führt, stehen zwei Dinge
im Weg:
1. Wer sich die zwanghafte Fixierung der deutschen Außenpolitik
auf Israel und die konjunkturellen antizionistischen Hassausbrüche
der Landsleute ansieht, dürfte erkennen, dass in Deutschland noch
sehr genau gewusst, zumindest jedoch geahnt wird, dass die Deutschen am
8. Mai 1945 nicht befreit wurden, sondern gewaltsam vom Judenmord abgehalten
werden mussten. Der Hass auf Israel verdeutlicht das Bewusstsein einer
Diskrepanz zwischen dem inzwischen weitgehend konsensualen Bild vom »Tag
der Befreiung« und der nationalsozialistischen Realität. Bei
einer vollständigen Verinnerlichung der Befreiungsmythologie wäre
es nicht mehr nötig, das Bedürfnis nach Entschuldung über
aggressive Angriffe gegen die früheren Opfer abzuleiten. Die aktuelle
deutsche Agitation gegen Israel ist also nicht zuletzt der Versuch, auf
die Korrekturen des aktuellen Geschichtsbildes durch individuelle Erinnerungen,
Ahnungen oder die Auseinandersetzung mit Opas Kriegsbildern auf dem Dachboden
einzugehen, und – ohne sich dabei von der grundsätzlichen Konzeption
der Mainstream-Erinnerung abzuwenden – einzelne Elemente dieser
Erinnerung an Teile der Realität anzupassen.
2. Der zweite Faktor, der dem Verschwinden von Auschwitz im Weg steht,
ist die deutsche Ideologie mit dem Antisemitismus als Kernstück.
Zwar sind die einzelnen Bestandteile des antisemitischen Weltbildes in
Deutschland seit 1945 entkoppelt und um ihre einigende Klammer, die Wahnidee
der jüdischen Weltverschwörung, gebracht. In nur leicht veränderter
Form bilden sie jedoch auch weiterhin die Grundlage deutscher Identität:
In der derzeitigen Außenpolitik spiegelt sich die Liebe zu den Völkern
wieder. Im staatlichen Antifaschismus findet der Verfolgungseifer gegen
Gemeinschaftsschädlinge seinen Ausdruck. Und die Mobilisierung antiamerikanischer
Ressentiments war das wohl zentrale Moment des letzten Bundestagswahlkampfes.
Wer wissen will, was sich die Deutschen noch nicht wieder so richtig trauen,
sollte sich ansehen, wem sie besondere Begeisterung entgegenbringen: Das
sind die Palästinenser oder der Gasonkel Saddam, bei denen die einzelnen
Bestandteile des Antisemitismus nicht, wie in Deutschland, lose nebeneinander
dahinvegetieren, sondern durch den Hass auf die Juden vereint und dadurch
schlagkräftig gemacht wurden. Gerade den Ehrendeutschen in der islamischen
Welt ist dabei – wenn auch in wahnhafter Form – bewusst, was
Auschwitz wirklich war. Die einzige Kritik, mit der deutsche Touristen
in ägyptischen, syrischen oder jordanischen Kaffeestuben regelmäßig
konfrontiert werden, bezieht sich dementsprechend darauf, dass »die
Deutschen« (man spricht dort ganz selbstverständlich von »den
Deutschen«) nicht alle Juden getötet haben. Gerade dort, wo
der Judenmord auf Begeisterung stößt, konnte die kulturindustrielle
Verarbeitung von Auschwitz also nicht viel bewirken. Man weiß vom
Kontext, man weiß, dass es »die Deutschen« waren, und:
man findet es gut.
Die Landsleute befinden sich damit in einem vielschichtigen Dilemma:
1. Sie wollen Auschwitz als universelle Spielmarke in der Außenpolitik
einsetzen, relativieren es durch die hierzu notwendigen Vergleiche (Auschwitz
gleich Kosovo usw.), allerdings immer wieder. Hierdurch wird Auschwitz
– oder besser: der »kulturindustrielle Artefakt Holocaust«
– langfristig um seine Kriegsverwendungsfähigkeit gebracht.
2. Deutschland will sich einerseits als geläuterte Nation präsentieren,
die die Vergangenheit vorbildlich aufgearbeitet hat. Andererseits bringt
die deutsche Öffentlichkeit ausgerechnet denjenigen besondere Sympathien
entgegen, die Auschwitz wiederholen wollen.
3. Da sich aus der »nicht relativierten deutschen Geschichte«
(Habermas) auch beim besten Willen kein nationales Selbstbewusstsein ableiten
lässt, haben die Landsleute trotz ihres Versuchs, mit Auschwitz Außenpolitik
zu betreiben, durchaus ein Interesse an einer gewissen Relativierung.
Ausgerechnet diejenigen, mit denen sie auf internationaler Ebene sympathisieren,
erklären ihnen jedoch immer wieder begeistert, was Auschwitz tatsächlich
war.
All diese Widersprüche basieren nicht auf der Inkonsequenz der Landsleute,
die sich die falschen Freunde aussuchen oder sich nicht entscheiden können,
wie sie mit der Vergangenheit umgehen wollen. Sie verdeutlichen vielmehr
die Aporien und die »prinzipielle Ausweglosigkeit eines deutschen
Nationalismus nach Auschwitz« (Wolfgang Pohrt).
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