Christoph Beyer / Thomas Plättner
No Germans, no Holocaust. Goldhagen und die Nachkommen der willigen Vollstrecker
In: Trotz und wegen Auschwitz. Antisemitismus und nationale Identität nach 1945, Münster 2004


Fritz Bauer, in den 50er und 60er Jahren hessischer Generalstaatsanwalt, charakterisierte den öffentlichen wie justiziellen Umgang mit Auschwitz in der Erhard- und Adenauerära mit folgenden Worten: »Hinter der bei Gerichten bis hinauf zum Bundesgerichtshof beliebten Annahme ›bloße Beihilfe‹«, so Bauer im Kontext des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, »steht die nachträgliche Wunschvorstellung, im totalitären Staat habe es nur wenige Verantwortliche gegeben, es seien nur Hitler und ein paar seiner Allernächsten gewesen, während alle übrigen lediglich vergewaltigte, terrorisierte Mitläufer oder depersonalisierte und dehumanisierte Existenzen waren, die veranlasst wurden, Dinge zu tun, die ihnen völlig wesensfremd sind. Deutschland war sozusagen nicht ein weitgehend besessenes, auf den Nazismus versessenes, sondern ein vom Feind besetztes Land.« [1] Als Daniel Jonah Goldhagens Untersuchung »Hitlers willige Vollstrecker« 1996 erschien, zeigte sich, dass diese Feststellung auch mehr als 30 Jahre nach der Urteilsverkündung im Auschwitz-Prozess noch Gültigkeit beanspruchen konnte.
Die Goldhagen-Kontroverse war eines der zentralen vergangenheitspolitischen Selbstfindungsrituale der neuen, vergrößerten Bundesrepublik. Sie stand einerseits in Kontinuität zu anderen erinnerungspolitischen Debatten und Ereignissen (Historikerstreit, Bitburg usw.). Gleichzeitig war im Verlauf der Debatte jedoch bereits eine Transformation der deutschen Erinnerungskultur zu erkennen: Die bis dahin übliche Erinnerungsabwehr schlug – wie während des Kosovo-Krieges schließlich in Reinform zu beobachten war – in einen offensiven Umgang mit der Vergangenheit um.
Im folgenden Beitrag sollen drei Fragen beantwortet werden: 1. Zu welchen Ergebnissen kommt Goldhagen in seiner Untersuchung? 2. Wie vollzog sich die Debatte, welche Argumente wurden gegen Goldhagen vorgebracht? 3. Wie sind die Reaktionen auf »Hitlers willige Vollstrecker« zu erklären?

1. »No Germans, no Holocaust« – Goldhagens Thesen
Ausgangspunkt der Untersuchung Goldhagens sind die Tätigkeiten des Polizeibataillons 101 – die Angehörigen der Einheit erschossen 1942/43 in Polen mindestens 38.000 Juden [2] –, die Zustände in den Arbeitslagern und die Todesmärsche 1944/45. Mit Hilfe der Methode der »dichten Beschreibung« [3] zeigt Goldhagen zweierlei: 1. Anders als durch Hannah Arendts Formel der »Banalität des Bösen« suggeriert, war der Holocaust für die Täter kein emotionsloser Prozess. Die Ermordung der Juden war, wie Goldhagen ausführt, vielmehr »ein hasserfüllter, rabiater Vorgang, der von Grausamkeit, Erniedrigung und Spott vorbereitet und begleitet wurde«. [4] Am Beispiel der Todesmärsche legt er dar, dass selbst dann noch gemordet wurde, als die Täter ihre eigene Gefangennahme riskierten und von Himmler den Befehl erhalten hatten, das Töten einzustellen. [5] 2. Die Angehörigen der Polizeibataillone wurden von ihren Vorgesetzten nicht gezwungen, an den Erschießungen teilzunehmen. Vor dem ersten Mordeinsatz wurde ihnen ein Rücktrittsangebot unterbreitet: Wer sich der Aufgabe nicht gewachsen sah, durfte seine Waffe abgeben und wurde – ohne Sanktionen befürchten zu müssen – anderweitig eingesetzt. Nur zehn bis zwölf der fast 500 Angehörigen des Polizeibataillons 101 nahmen dieses Angebot vor der ersten Mordaktion an. [6] In anderen Einheiten war ein ähnliches Verhalten zu beobachten: »Den Worten eines früheren deutschen Polizeibeamten zufolge,« so Goldhagen, »der in der Umgebung von Krakau Dienst tat, waren seine Kameraden ›bis auf wenige Ausnahmen gerne bereit, bei Erschießungen mitzumachen. Das war für sie ein Fest.‹« [7]
Aus diesen Beobachtungen zieht Goldhagen eine nahe liegende Schlussfolgerung: »Die große Mehrheit der Deutschen, die in den Mordinstitutionen Dienst taten, hat die Grausamkeiten, die sie auf Befehl, planmäßig oder spontan verübten, weder als unrechtmäßig noch als moralisch verwerflich betrachtet.« [8] Bei dieser Schlussfolgerung bleibt Goldhagen jedoch nicht stehen. Insbesondere die Angehörigen der Polizeibataillone waren, wie er nachweist, durchaus repräsentativ für die Bevölkerung des »Dritten Reich«. Sowohl das Schichtzugehörigkeits- als auch das Berufsprofil der Angehörigen des Polizeibataillons 101 entsprach weitgehend dem der Gesamtbevölkerung. [9] Wären andere Deutsche in die Mordeinheit versetzt worden, so lautet dann auch eine der zentralen Thesen Goldhagens, hätten sie nicht anders gehandelt als die Mitglieder des Bataillons: Es »können, ja müssen die Schlussfolgerungen aus dem Handeln der Polizeibataillone und ihrer Angehörigen auf das deutsche Volk insgesamt übertragen werden. Was diese ganz gewöhnlichen Deutschen taten, war auch von anderen ganz gewöhnlichen Deutschen zu erwarten.« [10]
Anders als andere Wissenschaftler führt Goldhagen diese kollektive Mordbereitschaft nicht auf eine kriegsbedingte Brutalisierung der Bevölkerung zurück. Die dominanten Triebkräfte für den Holocaust waren, wie Goldhagen aufzeigt, vielmehr die antisemitischen Auffassungen der Deutschen: »Sie lieferten nicht nur den zentralen Beweggrund für Hitlers Entschluss, die europäischen Juden auszulöschen [...], auf ihnen beruhte auch die Bereitschaft der Täter, Juden brutal zu misshandeln und zu töten.« [11] Die Deutschen mordeten, weil sie in der Einschätzung des Judentums mit ihrer Führung konform gingen. Ebenso wie Hitler in »Mein Kampf« begriffen sie die Juden als Ursache allen Übels, Antipode des »deutschen Volkes« und »Urstoff alles Negativen«. Deutschland und die Deutschen, so wurde regelmäßig bei öffentlichen Auftritten der Partei- und Staatsführung erklärt, könnten nur durch eine Vernichtung des Judentums gerettet werden. Hätten die »ganz gewöhnlichen Deutschen« diese Gedanken nicht geteilt, so Goldhagen, »dann hätten sie dem sich stetig verschärfenden Angriff auf ihre jüdischen Landsleute und Brüder mindestens ebensoviel Widerstand entgegengesetzt wie den Angriffen ihrer Regierung gegen die Kirchen oder dem so genannten Euthanasieprogramm«. [12] Während die Tötung so genannter Geistes- und Erbkranker auf öffentliche Ablehnung stieß (das Mordprogramm wurde nach massivem Einspruch von Angehörigen, Nachbarn, Bekannten, Vertretern der Kirchen usw. offiziell abgebrochen; die Euthanasie-Kritiker hatten keine Nachteile zu erleiden), wurde die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden von keinen größeren Protesten begleitet.
Die hierfür verantwortliche Judenfeindschaft, so führt Goldhagen aus, fand in Deutschland nicht erst mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler Verbreitung. Der eliminatorische Antisemitismus war bereits lange vor 1933 Kernbestandteil der deutschen Kultur. Zum Beweis dieser These lässt Goldhagen die selbsternannten Freunde der Juden – Vertreter der deutschen Aufklärung und des Liberalismus – aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu Wort kommen. Diese seien nichts anderes gewesen, als »antisemitische Wölfe im Schafspelz«. [13] Am Beispiel von Christian Wilhelm Dohms 1781 veröffentlichter Schrift »Über die bürgerliche Verbesserung der Juden« führt er aus: Die Vertreter der Aufklärung und des Liberalismus traten zwar für die Emanzipation der Juden ein. Als Voraussetzung für die Zuerkennung von Gleichheitsrechten verlangten sie von diesen jedoch die Aufgabe ihrer »moralischen Ansichten« und ihrer vermeintlichen »hinterhältigen Geschäftspraktiken«. Ähnlich wie die erklärten Antisemiten begriffen insofern auch die Vertreter des Liberalismus die Juden als Gegenteil des »idealen Menschen«. Wenn sogar die »Freunde« der Juden in wichtigen Aspekten mit den deutschen Antisemiten übereinstimmten, so schlussfolgert Goldhagen, »dann muss man wohl annehmen, dass der Antisemitismus in der deutschen Kultur und Gesellschaft endemisch war«. [14]
Glaubten die Liberalen jedoch trotz dieser Ressentiments noch an die Wandlungsfähigkeit der Juden, hielten die konservativen und völkischen Nationalisten – laut Goldhagen die Mehrheit der Bevölkerung [15] – den »jüdischen Charakter« für unveränderbar. In dieser Auffassung ist die Vernichtungsidee bereits angelegt: »Die Affinität zwischen dem Gedanken, dass die Juden von einer unveränderten und unveränderlichen Natur beherrscht seien [...], und der Tendenz, sich die ›Lösung‹ der ›Judenfrage‹ als physische Auslöschung vorzustellen, ist unübersehbar.« [16] Spätestens Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich das bis dahin weit verbreitete Verlangen nach einer Ausschaltung der Juden (Assimilation, Vertreibung aus bestimmten Positionen usw.) in eine Vernichtungsmentalität verwandelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war schließlich, wie Goldhagen erörtert, »der Samen für den spezifischen Antisemitismus der Nationalsozialisten und ihre antijüdische Politik schon aufgegangen«. [17] Doch so fest verankert der Vernichtungsgedanke in der deutschen Kultur zu diesem Zeitpunkt auch bereits war: konzentrierte, koordinierte und vor allem kontinuierliche Aktionen gegen Juden waren noch nicht möglich. »Noch fehlten die Bedingungen für die Umsetzung des Antisemitismus in ein Programm physischer Angriffe, und die staatliche Ordnung ließ es noch nicht zu, dass der Antisemitismus zur Basis gesellschaftlich-kollektiven Handelns wurde.« [18] Erst mit dem Regierungsantritt der Nationalsozialisten, der »verbrecherischsten und bösartigsten Antisemiten der Weltgeschichte« [19], wurden die Rahmenbedingungen für die Verwirklichung des »nationalen Projektes« geschaffen.
Goldhagens Thesen lassen sich damit folgendermaßen zusammenfassen: 1. Der Holocaust war ein seit langem geplantes »nationales Projekt« der Deutschen. »Das Projekt war da, es musste sich nur die Gelegenheit bieten, es zu verwirklichen.« [20] 2. Die Täter und ihre Motive wurden im Rahmen der bisherigen Holocaust-Forschung nur unzureichend untersucht. Anders als von den Vertretern der – insbesondere in Deutschland sehr beliebten – funktionalistischen Holocaust-Forschung behauptet, ist der zentrale Grund für die Vernichtung der Juden nicht in der polykratischen Struktur des »Dritten Reich«, dem Kompetenzwirrwarr des NS-Staates und der sich daraus ergebenden »kumultativen Radikalisierung« und Dynamik zu suchen: »Nicht wirtschaftliche Not, nicht die Zwangsmittel eines totalitären Staates, nicht sozialpsychologisch wirksamer Druck, nicht unveränderliche psychische Neigungen, sondern die Vorstellungen, die in Deutschland seit Jahrzehnten über Juden vorherrschten, brachten ganz normale Deutsche dazu, unbewaffnete, hilflose jüdische Männer, Frauen und Kinder zu Tausenden systematisch und ohne Erbarmen zu erschießen.« [21] 3. Das zentrale Merkmal des Nationalsozialismus ist der Holocaust. Noch in der Phase des Zusammenbruchs hatte die Ermordung der Juden Vorrang vor militärischen Maßnahmen.

2. Die Debatte: »Intellectual post-modernism meets old-fashioned anti-Semitism«
Noch bevor »Hitlers willige Vollstrecker« in deutscher Übersetzung erschien, wurde es Gegenstand einer heftigen Auseinandersetzung. In zahlreichen Publikationen wurde der Beginn eines neuen Historikerstreits angekündigt. [22] Im Gegensatz zum historischen Vorbild – 1986 standen sich mit den Unterstützern der Habermas-Position und den Verteidigern Ernst Noltes zumindest zwei Lager gegenüber – beteiligten sich ab März 1996 jedoch nahezu alle Akteure einhellig an der öffentlichen Verdammung Goldhagens. In kaum einer der vorangegangenen geschichtspolitischen Debatten der Bundesrepublik war so viel Einmütigkeit unter den deutschen Geschichtswissenschaftlern und Journalisten zu beobachten, wie nach der Veröffentlichung von »Hitlers willige Vollstrecker«. Der Traditionsmarxist Reinhard Kühnl verbrüderte sich im Geiste mit Hans Mommsen, einem der Großmeister der westdeutschen Geschichtswissenschaft; Autoren der linken Tageszeitung Junge Welt bezogen sich positiv auf Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung [23]; und Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein schien sich die Anregungen für seine Artikel bei der Lektüre der rechtsextremen Wochenzeitung Junge Freiheit zu holen. »Hitlers willige Vollstrecker«, so das Spektrum der Beurteilungen, sei »kein gutes Buch« [24], »einfach ein schlechtes Buch« [25], ein »eklatant misslungenes Buch« [26] bzw. eine »durch und durch mangelhafte, misslungene Dissertation« [27]. Die wohl einzigen Inhaber eines geschichtswissenschaftlichen Lehrstuhls in der Bundesrepublik, die Goldhagens Untersuchung öffentlich in Schutz nahmen, waren Ingrid Gilcher-Holtey und Wolfgang Wippermann. [28]
Die Debatte durchlief drei Phasen: Ausgangspunkt der ersten Phase war der Vorabdruck einiger Passagen des Buches im Wochenblatt Die Zeit vom 12. April 1996. In der Folge meldeten sich die Mandarine der deutschen Historiographie sowie die Chefredakteure und Herausgeber fast aller größeren deutschen Tageszeitungen, Wochenblätter und Magazine zu Wort. Binnen eines Wochenendes waren, wie Alfred Schobert im Vorwort zu seiner Bibliographie der Goldhagen-Debatte ausführt, die Grundmuster der Goldhagen-Kritik festgeklopft. [29]
Die zweite Phase der Debatte begann mit dem Erscheinen der deutschen Ausgabe von »Hitlers willige Vollstrecker« im August 1996. Die dominanten Protagonisten der Auseinandersetzungen waren von nun an weniger die Lehrstuhlinhaber, Herausgeber und Chefredakteure. [30] Die zentralen Beiträge wurden vielmehr von ihren Assistenten, Schülern bzw. Ressortleitern geliefert. Diese schienen »Hitlers willige Vollstrecker« im Unterschied zu ihren Vorgesetzten und Lehrern zwar gelesen zu haben. Ihre Ausführungen unterschieden sich jedoch nicht sonderlich von den Argumenten, die bereits in der ersten Phase der Debatte vorgetragen worden waren.
Als der Spiegel im August 1997 über die vehemente Goldhagen-Kritik des us-amerikanischen Politikwissenschaftlers Norman G. Finkelstein berichtete und kurz darauf einen Aufsatz Finkelsteins auszugsweise veröffentlichte, begann die dritte Phase der Debatte. Finkelstein spitzte die Ausführungen der deutschen Goldhagen-Kritiker weiter zu, verglich die Verfolgung der Juden mit der Diskriminierung der Schwarzen in den USA und tat Goldhagens Untersuchung als »Holoporn« ab. [31] Seine Ausführungen wurden von den deutschen Medien dementsprechend bereitwillig aufgegriffen. 1998 erschien im Claasen-Verlag in Hildesheim schließlich ein Buch Finkelsteins, in dem er die Bedürfnisse des deutschen Publikums gemeinsam mit der Kanadierin Ruth Bettina Birn – der Goldhagen wegen ihrer Falschdarstellungen bereits zuvor mit einer Unterlassungsklage gedroht hatte – weiter bediente. Hans Mommsen steuerte ein Vorwort bei.
Die Argumente, die gegen Goldhagen vorgebracht wurden, waren wenig originell: Goldhagens Thesen, darin waren sich die meisten Historiker und Publizisten einig, seien keiner inhaltlichen Diskussion würdig. Die Untersuchung biete »nichts Neues« [32], falle auf den »Forschungsstand der fünfziger Jahre« zurück [33], »könnte aus dem Arsenal der Belehrungs- und Selbstbezichtigungsliteratur der frühen fünfziger Jahre stammen« [34] und drehe »das Rad der Historiographie wieder an den Ausgangspunkt« zurück [35]. »Dergleichen«, so Frank Schirrmacher in der FAZ, »gehört zu jener Art von Thesen, von denen Karl Kraus einmal sagte, man könne ihnen nicht widersprechen, ohne sich dumm machen zu lassen.« [36]
Die Goldhagen-Kritiker beschränkten sich dann zumeist auch auf drei Vorwürfe: Goldhagens Untersuchung – in den USA immerhin mit mehreren renommierten Wissenschaftspreisen ausgezeichnet –, so lautete der meistformulierte Vorwurf, sei unwissenschaftlich. Um die Kompetenz Goldhagens in Frage zu stellen, wurde regelmäßig auf sein »jugendliches Alter« verwiesen. Die Untersuchung, so wurde darüber hinaus erklärt, sei »nicht auf der Höhe der Forschung« und genüge »auch mittelmäßigen Ansprüchen nicht« [37]; Goldhagen arbeite mit der »Technik der Vereinfachung und der Verallgemeinerung« [38]. »Mit Wissenschaft und Beweisfähigkeit«, so fasste Frank Schirrmacher das Urteil der Kritiker zusammen, »hat Goldhagens Buch wenig zu tun.« [39]
Gleichzeitig wurde Goldhagen immer wieder unterstellt, er greife auf die so genannte Kollektivschuldthese zurück. Günther Anders hatte die Funktionen dieser These zwar bereits in Folge des Historikerstreits 1986 dechiffriert und erklärt, sie sei nur deshalb in der Welt, damit sie zurückgewiesen werden könne. [40] (Durch die Bestreitung der These, so Anders, erhoffe man sich einerseits die Möglichkeit, die Überlebenden und die Alliierten als rachsüchtig und unversöhnlich darstellen zu können. Andererseits sollen sie als Lügner präsentiert werden.) Die deutschen Historiker und Publizisten waren sich jedoch nicht zu schade, diese – ursprünglich in rechtsextremen Kreisen formulierte [41] – Propagandafigur aufzugreifen. Da Goldhagen an keiner Stelle von einer Kollektivschuld spricht, beschränkten sich manche Kommentatoren noch auf den Hinweis, Goldhagen bewege sich »hart am Rande einer Kollektivschuld«. [42] »Von ›Kollektivschuld‹«, so Volker Ullrich, »ist bei Goldhagen zwar nicht die Rede, doch in der Sache kommt seine Ableitung dem Vorwurf sehr nahe.« [43] Die Mehrzahl derer, die Goldhagen einen Rückgriff auf die These unterstellten, verzichtete allerdings auf solche Differenzierungen. »Was der junge Harvard-Dozent großspurig als ›Revision‹ ankündigt,« so Frank Ebbinghaus, »ist nichts anderes als die Auferstehung einer wissenschaftsgeschichtlichen Leiche, die längst zu Staub zerfallen schien: die These von der Kollektivschuld aller Deutschen an der Vernichtung der europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg.« [44] Die Kollektivschuldthese, so erklärte auch Hans-Ulrich Wehler, feiere in Goldhagens Untersuchung »eine keineswegs fröhliche Urständ«. [45] Frank Schirrmacher wollte Goldhagens Ausführungen schließlich sogar als Steigerung der These begriffen wissen: »Alles in allem«, so Schirrmacher im April 1996, »bildet die Kollektiv-Schuld-These den Kern dieses Buches, und bemerkenswert ist nur, das Goldhagen sie historisch und soziologisch radikalisiert.« [46]
Darüber hinaus wurde regelmäßig ein weiterer Vorwurf an Goldhagens Adresse gerichtet: Seine Untersuchung, darin waren sich nahezu alle Kritiker einig, sei ein reines Medienphänomen. Die Goldhagen-Debatte, so Hans Mommsen, sei das Resultat »einer gelungenen PR-Aktion, in deren Rahmen öffentliche Auftritte des Autors in einer Reihe von Großstädten erfolgten und die zu einer entsprechenden Berücksichtigung in den Medien, vor allem im Fernsehen, führte«. [47] Goldhagen wurde jedoch nicht nur der skurrile Vorwurf gemacht, dass er sich gemeinsam mit seinem Verlag um einen breiten Absatz des Buches bemühte. Ihm wurde vielmehr unterstellt, »Hitlers willige Vollstrecker« sei ausschließlich in Hinblick auf den Verkauf konzipiert worden. »Wer auf dem hart umkämpften Medienmarkt der neunziger Jahre Gehör finden will,« so Norbert Frei, »braucht knallige Thesen. Längst ist diese heillose Botschaft auch bei den Historikern angekommen«, aber noch selten habe man sie so konsequent befolgt gesehen wie im Falle Goldhagen. [48] Goldhagen mache – und ändere –, wie im Verlauf der Debatte weiterhin behauptet wurde, seine wissenschaftlichen Aussagen »auf Anraten seiner Agentur« [49], das Buch sei »kalkuliert skandalös« [50] und basiere auf einer »sensationsheischende[n] These« [51]. Insgesamt sei fraglich, so Frank Schirrmacher, ob Goldhagen an »einer wirklichen Forschungsleistung überhaupt interessiert« sei. [52]
All diese Vorwürfe und Unterstellungen wurden im Rahmen der Auseinandersetzungen mit antisemitischen Stereotypen unterlegt. »Intellectual post-modernism«, so umschrieb Andrei S. Markovits die Argumentation der Goldhagen-Kritiker, »meets old-fashioned anti-Semitism.« [53] In der Debatte fehlte weder der Hinweis auf »jüdische Kolumnisten« in den USA [54], auf Goldhagens »Chuzpe« [55], die »Identitätskrise des amerikanischen Judentums« [56] noch der Verweis auf die Familiengeschichte Goldhagens: Goldhagen, so erklärte etwa Peter Glotz, sei der »Sohn eines aus Rumänien stammenden jüdischen Historikers« [57]; Mariam Niroumand u. a. wiesen darauf hin, dass Goldhagens Vater »das jüdische Ghetto im rumänischen Czernowitz überlebt und einen Großteil seiner Familie im Holocaust verloren« habe [58]. Mit diesem Ausflug in die Sippenforschung sollte die Seriosität Goldhagens ein weiteres Mal in Frage gestellt werden. Goldhagen, so die unterschwellige Botschaft, sei aufgrund seiner Familiengeschichte überhaupt nicht in der Lage, ein wissenschaftliches Buch über den Holocaust zu schreiben; seine Ausführungen seien vielmehr als Racheakt zu verstehen. Rudolf Augstein bezeichnete Goldhagen im Spiegel dementsprechend als »Scharfrichter« [59], Jost Nolte sprach von einem »Zorn von alttestamentarischem Atem« [60], und Peter Glotz beschwerte sich darüber, dass Goldhagen »durchweg in anklägerischem Ton« argumentiere [61]. Hans-Ulrich Wehler gelang schließlich das Kunststück, in einem einzigen Satz nicht nur die zentralen Stichworte des Geschichtsrevisionismus mit denen des Antiamerikanismus zu verbinden. In Form einer Analogie sprach er Juden darüber hinaus auch noch die grundsätzliche Befähigung ab, sich auf wissenschaftlicher Ebene mit Auschwitz auseinander zu setzen: »Sollten wir«, so Wehler in seinem Beitrag zur Debatte, »die nahezu vollendete Ausrottung der nordamerikanischen Indianer nicht wenigstens aus sehr unterschiedlichen Bedingungen und Motiven zu erklären versuchen, sondern gleich aufgeben und es einem jungen Navajo-Historiker überlassen, alles aus den Traditionen ›amerikanischen Killertums‹ seit der puritanischen Brandmarkung der rothäutigen ›Kinder des Satans‹ abzuleiten – mit Folgerungen für My Lai?« [62]
Ebenso wie in anderen Diskussionen um die deutsche Geschichte war auch in der Goldhagen-Debatte das Muster der Täter-Opfer-Umkehr zu beobachten. Anstatt über das Leid der Opfer zu sprechen, wurden die Deutschen als die eigentlichen Leidtragenden der Geschichte präsentiert: Jost Nolte etwa verglich seine Landsleute mit der Sagenfigur Sisyphos und erklärte, Auschwitz werde bei Goldhagen zur »Erbsünde« der Deutschen: »Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Hitlers Tod und nach der Wende von 1989/90, die an den Ergebnissen des Weltkriegs rüttelte, sah es endlich so aus, als habe die Geschichte die Deutschen vom Schicksal des Sisyphos erlöst. Goldhagen hat sich alle Mühe gegeben, sie in die Verdammnis zurückzustoßen.« [63] Doch nicht nur das. Goldhagen, so wurde von anderer Seite ausgeführt, wünsche den Deutschen nicht nur alles Schlechte. Er bewege sich argumentativ vielmehr selbst in der Nähe der Nazis. Eberhard Jäckel, Professor für Neuere Geschichte in Stuttgart, erklärte im Mai 1996: »Wiederholt sagt Goldhagen, man müsse die Deutschen und ihren Antisemitismus vor und während der Nazizeit ›anthropologisch‹ betrachten. Damit verrät er seinen ganzen Ansatz. Unter Anthropologie kann man Verschiedenes verstehen. Sie ist auch ein Teilgebiet der Biologie, die die angeborenen und nicht die erworbenen Eigenschaften der Menschen untersucht. Daraus ist die Rassenlehre hervorgegangen und aus ihr der rassistische Antisemitismus. Goldhagen bringt sich in eine verdächtige Nähe zu diesem biologistischen Kollektivismus.« [64] Ähnlich äußerte sich auch Hans-Ulrich Wehler, ebenfalls Inhaber eines geschichtswissenschaftlichen Lehrstuhls: »Strukturell tauchen, pointiert gesagt, dieselben Denkschemata, wie sie dem Nationalsozialismus eigen waren, wieder auf: An die Stelle des auszulöschenden ›auserwählten Volkes‹ tritt das ›verworfene Volk‹ der als Inkarnation des Bösen. [...] Unter umgekehrten Vorzeichen erlebt ein Quasi-Rassismus, der jede Erkenntnisanstrengung von vornherein eisern blockiert, seine pseudowissenschaftliche, mentalitätsgeschichtlich kamouflierte Auferstehung.« [65]

3. Für Deutschland gegen Goldhagen
Die fachwissenschaftliche wie publizistische Kritik an Goldhagen beschränkte sich damit vor allem auf ressentimentgeladene Angriffe auf Goldhagens Methodik und die vermeintliche Public-Relations-Kampagne zur Verbreitung des Buches.
In der Tat weist Goldhagens Herangehensweise an zahlreichen Stellen unwissenschaftliche Tendenzen auf. Diese »Unwissenschaftlichkeit« ist jedoch, anders als von Seiten der Kritiker behauptet, kein Manko der Untersuchung. Gerade der partielle Verzicht auf den Differenzierungszwang geschichtswissenschaftlicher Proseminare ist, wie auch Gerhard Scheit ausführt, der große Vorteil der Studie: »Gerade das, was an Goldhagen beinahe einhellig und besonders scharf kritisiert wurde, ist sein bestes: der monokausale Erklärungsversuch, der spekulative Fragestil, der sich tatsächlich hart an der Grenze der Wissenschaft bewegt – dort, wo allein Erkenntnisse ohne Rationalisierung möglich sind – und der ebenso die Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn konsequent missachtet.« [66]
Spätestens der Blick auf den sonstigen Umgang der Historikerzunft mit unwissenschaftlichem Verhalten sowie das Ressentiment und die Aggressivität, mit denen die Kritik an Goldhagen vorgebracht wurde, machte deutlich, dass die Methodik- und PR-Debatten lediglich Vermeidungsdiskussionen waren. Ohne von Mommsen, Wehler, Jäckel usw. auch nur beachtet zu werden, erscheinen jährlich hunderte historiographische Bücher und Aufsätze, die die handwerklichen Anforderungen des Wissenschaftsbetriebs nicht einmal annähernd erfüllen. Auch die Machwerke Guido Knopps – immerhin der beliebteste deutsche Historiker – und die immensen Werbekampagnen dafür sorgen für wenig Empörung bei den deutschen Geschichtswissenschaftlern.
Der eigentliche Grund der Entrüstung war also nicht die Herangehensweise Goldhagens. Hinter den Diskussionen über Methodik und die Präsentation von Geschichte in der Öffentlichkeit verbarg sich, zumeist nur halbherzig kaschiert, die Empörung über das Ergebnis, zu dem Goldhagen gelangt war. Historiker, Publizisten und weite Teile der Bevölkerung verhielten sich während der Debatte so, als wollten sie bestätigen, dass ein besonderer deutscher Nationalcharakter existiert. [67] Die seltene Eintracht zwischen Wissenschaftlern, Journalisten und großen Teilen der Bevölkerung zeigte noch einmal, dass das Reichsbürgergesetz von 1935 im Bewusstsein der Deutschen nie wirklich außer Kraft gesetzt worden war. Allein die Grundlage des darin juristisch fixierten deutschen Wir-Gefühls hat sich verändert: Wurde die Volksgemeinschaft bis 1945 durch den Willen zur Vernichtung zusammengehalten, basiert das nationale »Wir« seither auf dem Wissen um den gemeinsam begangenen Massenmord. »Das Wissen, jene Schreckenstaten begangen, mitbegangen oder ihnen einfach zugesehen zu haben, dieses Wissen konstituierte die Volksgemeinschaft in neuer Weise.« [68] Der Massenmord stiftete eine »sekundäre Volksgemeinschaft« [69], »eine Art heimlicher, verschworener Gemeinschaft von Mördern und Mitwissern« [70].
Die Vernichtungspolitik begründete jedoch nicht nur das deutsche Wir-Gefühl nach 1945. Sie stand zugleich dem Bedürfnis im Weg, sich öffentlich positiv auf dieses »Wir« – auf Deutschland, die deutsche Geschichte und »die Deutschen« – zu beziehen. Um sich trotz Auschwitz offen zu Deutschland bekennen zu können, wurden zumeist zwei Methoden miteinander kombiniert: Einerseits wurde der Einschnitt des Jahres 1945, der so genannte Bruch mit der Vergangenheit, besonders hervorgehoben; andererseits wurden der Holocaust und die Beteiligung der Bevölkerung an den NS-Verbrechen verharmlost oder geleugnet. Vor allem die Geschichtswissenschaft übernahm hierbei die Aufgabe, die im öffentlichen Leben zu beobachtenden Entlastungsmuster wissenschaftlich zu untermauern. In den 50er Jahren wurde der Nationalsozialismus als »Hitlerismus« verharmlost, die »willigen Vollstrecker« wurden zu Opfern des dämonischen Charakters des »Führers« reduziert. Im Rahmen der in Ost und West gleichermaßen beliebten Widerstands-Forschung wurden die Deutschen zu einem Volk von Antifaschisten umgelogen; und die Faschismustheoretiker der 60er und 70er Jahre bemühten sich zwar, die sozioökonomischen Grundlagen des Nationalsozialismus zu benennen. Die Volksgemeinschaft wurde von ihnen allerdings als Propagandalüge der Nazis abgetan. Als sich deutsche Historiker in der zweiten Hälfte der 70er Jahre – im internationalen Vergleich mehr als spät – erstmals intensiver mit dem Holocaust auseinandersetzten, knüpften sie reflexhaft an diese Abwehrarbeit an: »Der Holocaust wurde als die Tat einer kleinen Gruppe entschlossener Täter um die Person Hitlers wahrgenommen, nicht als Kollektivphänomen größerer Tätergruppen und als Verantwortungsbereich der Nation insgesamt. In dieser verbreiteten Sichtweise fand er im luftleeren Raum des nationalsozialistischen Herrschaftssystems statt, ohne die Beteiligung der Eliten in Staat, Wehrmacht und Polizei, ohne ihre Fußtruppen und unter Ausschluss der Bevölkerung.« [71]
Die deutsche Geschichtswissenschaft trug damit dazu bei, dass nicht öffentlich thematisiert wurde, was ohnehin alle – ob nun aus eigener Erfahrung oder nach einer Auseinandersetzung mit den Fotoalben und den Kriegsbriefen der »Erlebnisgeneration« auf dem heimischen Dachboden – wussten: 1. Die Massenverbrechen des Nationalsozialismus waren nicht nur »Verbrechen an Massen, sondern auch von Massen«. [72] 2. Der Wille zur Vernichtung stiftete den Zusammenhalt zwischen Mob und Elite.
Goldhagen hatte insofern – und hier ist seinen Kritikern ausnahmsweise zuzustimmen – in der Tat nichts Neues formuliert. Er hatte vielmehr den Fehler begangen, ein offenes Geheimnis auch öffentlich zu artikulieren. Die Empörung der deutschen Historiker und der sie sekundierenden Journalisten basierte damit einerseits auf dem Gefühl des Ertapptwerdens – Goldhagen hatte offen auf die Abwehrfunktion der deutschen Geschichtswissenschaft hingewiesen. Andererseits wurde Goldhagens Verweis auf die massenhafte Beteiligung der Deutschen am Holocaust als Hindernis auf dem mit der Wiedervereinigung eingeschlagenen Weg (Anspruch auf die Führungsrolle in Europa, Forderungen nach einem festen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen usw.) begriffen. »Goldhagens Studie«, so Lars Rensmann, »war ein geschichtspolitischer Rückschlag beim Projekt der Entlastung (von) der Vergangenheit, gegenüber den Bemühungen, ein ungebrochenes positives nationales Selbstverständnis zu rekonstruieren...« [73] Die Aggressivität, mit der die Kritik an Goldhagen vorgebracht wurde, sowie ihre antisemitischen Konnotationen hatten ihre Ursache im »Verlangen nach der Befreiung von der ›historischen Last‹ des Kollektivs« [74], zu dem sich die Kritiker Goldhagens parteiübergreifend bekannten. [75] »Die Abwehr der Erinnerung an das Unsägliche, das geschah,« so umschrieben Adorno und Horkheimer den deutschen Umgang mit Schuld schon Ende der 50er Jahre, »bedient sich eben der Mittel, die es bereiten halfen« [76]: antisemitischer Projektionen.

4. Mit Goldhagen für Deutschland
Mit diesem Modell der Erinnerungsabwehr kann jedoch nur ein Aspekt der Goldhagen-Debatte erklärt werden. So stießen Goldhagen und seine Thesen bei den deutschen Fachwissenschaftlern und Feuilettonisten zwar auf nahezu einhellige Ablehnung. Von den Besuchern seiner öffentlichen Auftritte und zahlreichen Lesern seiner Studie erhielt er jedoch stürmischen Beifall. Karten für Diskussionsrunden mit Goldhagen waren zumeist Wochen vor dem eigentlichen Ereignis ausverkauft; »Hitlers willige Vollstrecker« war über Monate hinweg auf den Bestsellerlisten zu finden.
Diese Begeisterung stand weniger im Zusammenhang mit einem Interesse an einer kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Ebenso wie die Kritik an Goldhagen beruhte auch das Lob vielfach auf dem Verlangen nach »nationalem Selbstbewusstsein«. Dieses »nationale Selbstbewusstsein« wird nach Auschwitz, wie schon erwähnt, auf argumentativer Ebene aus der Kombination zweier Verfahrensweisen gewonnen: 1. der Verharmlosung des Holocaust und der Begeisterung der Deutschen für das Morden. 2. der exzessiven Verwendung der einschlägigen Stunde-Null-Rhetorik. Während in den Texten der Goldhagen-Kritiker das Verharmlosungsmoment dominierte, verwiesen diejenigen, die sich in der Debatte positiv auf Goldhagen bezogen, vor allem auf die Wandlung der Deutschen nach 1945.
In diesem Zusammenhang war Goldhagen den Nachkommen der »willigen Vollstrecker« bereits in einer Randbemerkung seiner Untersuchung sowie im Vorwort zur deutschen Ausgabe des Buches entgegengekommen: »Die politische Kultur der Bundesrepublik und die meisten Deutschen«, so lautete Goldhagens Versöhnungsangebot, »sind inzwischen als von Grund auf demokratisch zu bezeichnen. [...] Die Niederlage im Krieg und der Aufbau eines demokratischen Systems im Nachkriegsdeutschland sorgten dafür, dass im öffentlichen Bereich an die Stelle der alten antidemokratischen und antisemitischen Vorstellungen neue demokratische Überzeugungen und Werte traten. Statt wie die politischen und gesellschaftlichen Institutionen vor 1945 antidemokratische und antisemitische Ansichten zu propagieren und zu bestärken, haben die Institutionen der Bundesrepublik Vorstellungen von Politik und Menschlichkeit gefördert, die dem Antisemitismus der NS-Zeit und der Zeit davor entgegenstehen und ihm Legitimation entzogen haben.« [77] Als Goldhagen im März 1997 der Demokratiepreis der Blätter für deutsche und internationale Politik verliehen wurde, wurde er noch deutlicher. In seinem Eröffnungsstatement zur Pressekonferenz führte er zunächst noch einmal aus, dass die Deutschen »viel aus der Geschichte gelernt« und »die richtigen Schlüsse gezogen« hätten. [78] Daran anschließend erklärte er, die Herausbildung einer »bemerkenswert selbstkritischen Nationalgeschichte« und eines »relativ nicht-nationalistischen, international verantwortungsvoll agierenden Nationalstaates« seien »Anlass zur Zufriedenheit«. Es wäre zu begrüßen, so beendete er seinen Beitrag schließlich unter Beifall, wenn die Bundesrepublik »als Modell für andere Länder dienen würde«.
Gerade in diesem Lob der deutschen Vergangenheitsbewältigung dürfte der zentrale Grund für die Begeisterung zu suchen sein, mit der Goldhagen bei seinen Lesungen empfangen wurde. Der von Goldhagen konstatierte Bruch mit der Vergangenheit war »eine Behauptung, der [...] die heute lebenden Deutschen am wenigsten widersprechen mögen, werden sie durch sie doch von einer Last, die sie im Vollzug ihrer neuerlichen Weltpolitik gerade sowieso dringend loswerden wollen, ausgerechnet von demjenigen befreit, der sie ihnen soeben noch besonders drastisch vor Augen geführt hatte«. [79] In der Fanpost an Goldhagen – dokumentiert im Sammelband »Briefe an Goldhagen« – wird diesen Erlösungswünschen in schwülstiger Art und Weise Ausdruck verliehen: »Ich wünsche mir«, so eine Leserin von »Hitlers willige Vollstrecker«, »auch für meinen Sohn und meine Tochter, meine Schülerinnen und Schüler, noch viele Veröffentlichungen von Ihnen. Wir brauchen Historiker wie sie – mit Ihrem Mut und mit ihrer Integrität. Die Jungen werden eines Tages die Verantwortung übernehmen, und sie haben das Recht auf ›ihre‹ Geschichte, auch wenn sie schmerzlich sein mag...« [80]
Auch diejenigen, die bei der Verleihung des Demokratiepreises eine Laudatio auf Goldhagen hielten, verwiesen in ihren Reden weniger auf den eliminatorischen Antisemitismus – Jürgen Habermas distanzierte sich sogar von einigen Schlussfolgerungen Goldhagens. [81] Im Mittelpunkt der Beiträge stand vor allem die Wandlung der Deutschen nach 1945: Karl D. Bredthauer, Redakteur der Blätter für deutsche und internationale Politik, beklagte sich in einer kurzen Stellungnahme über das mangelnde politische Selbstbewusstsein der Deutschen und die einseitige Rezeption von »Hitlers willige Vollstrecker« in der Bundesrepublik: »Die Anerkennung [...], die Daniel Goldhagen der Bundesrepublik als einem neuen, in der politischen Zivilisation der Moderne, im Westen endlich (halbwegs) angekommenen Deutschland zollt, läuft ins Leere. [...] Könnte es daran liegen, dass wir uns selbst, dass wir diese unsere Republik immer noch nicht für voll nehmen? Fehlt es der Bundesrepublik Deutschland, zweieinhalb Jahre vor ihrem Fünfzigsten, immer noch an Selbst-Anerkennung?« [82] Auch Jürgen Habermas machte deutlich, dass er Goldhagens »eigentliches Verdienst« in der Benennung eines Bruchs mit der deutschen Vergangenheit sehe: Goldhagen, so Habermas, richte »den Blick nicht auf Gesetzmäßigkeiten, denen präsumtiv alle Menschen unterworfen sind«. [83] Seine Erklärung beziehe »sich nicht auf ein Unveränderliches, in das wir uns zu schicken haben, sondern auf Faktoren, die durch einen Bewusstseinswandel verändert werden können – und die sich inzwischen auch durch politische Aufklärung verändert haben«. Goldhagen gebühre Dank dafür, dass »er uns in einem anderen Blick auf die Vergangenheit bestärkt hat«.
Goldhagen wurde in Deutschland insofern nicht nur als Ankläger wahrgenommen. Zahlreiche Fürsprecher begriffen ihn vielmehr als Stichwortgeber einer neuen Form deutscher Erinnerungspolitik. Diese neue Variante des Umgangs mit der Vergangenheit – das »Bekenntnis« zu Auschwitz – fand spätestens mit dem Regierungsantritt der rotgrünen Koalition Eingang in den erinnerungspolitischen Mainstream. Wurde die deutsche Vergangenheit in der Kohl-Ära zumeist verdrängt, ist sie unter Rotgrün bekanntlich zu einer der zentralen Legitimationsgrundlagen der deutschen Außenpolitik geworden: Aus dem »Bekenntnis zur eigenen Scham«, so Hermann L. Gremliza zur spezifischen Logik der neuen Vergangenheitspolitik, soll »den Deutschen das Recht erwachsen, an anderen moralisch Maß zu nehmen«. [84]
Dieses Legitimationsmuster wurde erstmals 1999 zur Begründung der deutschen Beteiligung am Nato-Angriff auf Rest-Jugoslawien herangezogen. Da Deutschland besondere Erfahrung im Umgang mit Verbrechen habe, so war von Regierungsseite im Vorfeld des Krieges zu hören, sei die Bundesrepublik gegenüber weltweitem Unrecht nicht nur besonders sensibilisiert. Sie habe aufgrund der deutschen Vergangenheit vielmehr die Pflicht, militärisch in den Konflikt zu intervenieren.
Insbesondere die Berichte über die Situation in Jugoslawien, die im Vorfeld des Kosovo-Krieges in der deutschen Presse erschienen, lasen sich streckenweise wie Passagen aus »Hitlers willige Vollstrecker«. Rudolf Scharpings Vorträge über seine persönlichen Gewaltphantasien (Baseball mit Menschenköpfen usw.) erinnerten an die von Goldhagen verwendete Methode der »dichten Beschreibung«. Die Berichte über »Massenexekutionen« im Kosovo schienen ihre literarische Vorlage in »Hitlers willige Vollstrecker« zu haben. [85] Und der Historiker Götz Aly benutzte in einem Artikel, der im April 1999 in der Taz erschien – der Titel lautete bezeichnenderweise »Das Deutsche in Serbien« –, zahlreiche Formeln, die in ähnlicher Weise auch in Goldhagens Studie zu finden sind. [86] Ebenso wie in Nazideutschland, so führte Aly aus, existiere auch in Serbien ein geschlossenes »System von Terror und millionenfacher Mitschuld«, das Ausmaß der serbischen Verbrechen stärke den Durchhaltewillen der serbischen »Volksgemeinschaft«, die »serbischen Einsatzkommandos« würden »Völkermord im Namen und Auftrag des serbischen Volkes« begehen usw.
Nur wenige Tage nachdem Aly seinen Mobilmachungsaufruf in der Taz publiziert hatte, wurde der Nato-Angriff auch von Goldhagen gerechtfertigt. In einem Artikel, der am 29. April 1999 im britischen Guardian und am folgenden Tag in gekürzter Fassung in der Süddeutschen Zeitung erschien, forderte er eine Besetzung Serbiens und eine Umerziehung der Serben. [87] Anders als die Vertreter der rotgrünen Regierung verwies Goldhagen zwar auf Unterschiede zwischen Nazi-Deutschland und Rest-Jugoslawien und erklärte, dass Milosevic nicht mit Hitler gleichgesetzt werden könne. [88] Dennoch zog er zahlreiche Parallelen zwischen dem »Dritten Reich« und Serbien: »Im Grunde«, so Goldhagen, »unterscheiden sich die serbischen Untaten nur in ihrer Größenordnung von denen der Deutschen.« [89] Wer die Besetzung und Umerziehung Deutschlands und Japans 1945 begrüßt habe, müsse »im Jahre 1999 in Bezug auf Serbien einer ähnlichen Vorgehensweise zustimmen«. [90]

5. Schluss
Diese Kriegsverwendungsfähigkeit Goldhagens verweist auf zahlreiche Schwachstellen seiner Analyse des Nationalsozialismus und des Antisemitismus: [91] 1. Goldhagen beschreibt den Vernichtungsantisemitismus zwar durchaus richtig als das zentrale Merkmal des Nationalsozialismus. Er begreift ihn jedoch nicht als Welterklärungsmodell, sondern lediglich als »kognitives Muster« bzw. »gesellschaftliches Gespräch« mit Parallelen zum Nationalismus. [92] Mit einem solchen Verständnis von Antisemitismus ist es, wie von wohlwollenden Kritikern Goldhagens mehrfach dargelegt wurde, tatsächlich »unmöglich, einen Unterschied zwischen deutschem Antisemitismus und serbischem Nationalismus zu finden«. [93] 2. Goldhagen arbeitet, wie etwa Lars Rensmann ausführt, allzu dualistisch und undialektisch mit dem Oppositionspaar westliche Zivilisation – deutsche Kultur: »Solch eine hypostasierte Herauslösung spezifischer Elemente der deutschen Ideologie- und Herrschaftsentwicklung aus dem Horizont moderner Vergesellschaftungs- und Unterdrückungsformen schüttet mitunter das Kind mit dem Bade aus. Sie ignoriert die Ursprünge des Geschehenen in der bürgerlichen Subjektkonstitution und der nationalstaatlichen, patriarchal-herrschaftlichen Verfasstheit der bürgerlichen Ordnung und deren gewaltförmiges Wesen.« [94] 3. Goldhagen weist zwar zutreffend darauf hin, dass die Besonderheit des deutschen Antisemitismus in seiner Umsetzung in staatlich organisierte Praxis liegt. Über die Genese dieses »volksstaatlichen« Antisemitismus bzw. darüber, wie ein Staat beschaffen sein muss, der »antisemitische Ideologie in Vernichtungspraxis zu transformieren imstande ist, [...] ist bei ihm jedoch wiederum nichts zu erfahren«. [95] 4. Goldhagen verzichtet vollständig auf gesellschaftskritisch-sozialpsychologische Erklärungsversuche. Die damit verbundene Reduktion des Antisemitismus auf ein »gesellschaftliches Gespräch« verstellt ihm den Blick auf eines der zentralen Merkmale deutscher Identitätsbildung nach Auschwitz: das Fortwirken des – nunmehr sekundär aufgeladenen – Antisemitismus unter den Bedingungen öffentlicher Tabuisierung. [96]
Abschließend bleibt daher festzuhalten: Goldhagen kommt unzweifelhaft das Verdienst zu, öffentlich auf den Antisemitismus und den Vernichtungseifer der »ganz normalen Deutschen« hingewiesen zu haben. Gleichzeitig gebührt ihm Dank dafür, dass er die deutsche Historikerzunft, Feuilletonisten und weite Teile der Bevölkerung für mehr als zwei Jahre aus ihrer Ruhe und Zufriedenheit aufgeschreckt hat. Eine Verteidigung des Autors von »Hitlers willige Vollstrecker« gegen den Kriegsbefürworter und Demokratiepreisträger Goldhagen, wie von linker Seite mehrfach versucht [97], ist jedoch nicht möglich. Goldhagens Loblieder auf Deutschland oder seine Vergleiche zwischen dem »Dritten Reich« und Rest-Jugslawien sind nicht unabhängig von seiner Studie über den eliminatorischen Antisemitismus der Deutschen formuliert worden. Sie sind bereits im methodologischen Background von »Hitlers willige Vollstrecker« angelegt.


Anmerkungen
[1] Zit. nach: Rolf Surmann: 4 Ks 2/63. In: Konkret 5 (2004), S. 31.
[2] Zahlen nach: Christopher Browning: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die »Endlösung« in Polen, Reinbek bei Hamburg 1996, S. 293. Browning hatte sich bereits vor Goldhagen mit dem Polizeibataillon 101 auseinandergesetzt. Seine Beobachtungen decken sich weitgehend mit denen Goldhagens, er zieht aus ihnen jedoch andere Schlussfolgerungen.
[3] Die von Goldhagen verwendete Methode der »dichten Beschreibung« geht auf den us-amerikanischen Ethnologen Clifford Geertz (Clifford Geertz: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt am Main 1983) zurück. Küntzel u. a. beschreiben diese Methode folgendermaßen: »Im Gegensatz zur ›dünnen Beschreibung‹, die sich auf das Sammeln von Daten beschränkt, versucht die von Geertz empfohlene ›dichte Beschreibung‹, einen Zugang zur Gedankenwelt bestimmter Menschengruppen zu erschließen, indem quasi mikroskopisch die Verhaltensdetails eines gesellschaftlichen Kollektivs beschrieben und analysiert werden.« Matthias Küntzel u. a.: Goldhagen und die deutsche Linke oder Die Gegenwart des Holocaust, Berlin 1997, S. 13.
[4] Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust, Berlin 1996, S. 466.
[5] Vgl. ebd., S. 436.
[6] Vgl. ebd., S. 255.
[7] Ebd., S. 464.
[8] Ebd., S. 464.
[9] Vgl. ebd., S. 246 f.
[10] Ebd., S. 471.
[11] Ebd., S. 22.
[12] Ebd., S. 489.
[13] Ebd., S. 81.
[14] Ebd., S. 69.
[15] Vgl. ebd., S. 79.
[16] Ebd., S. 97.
[17] Ebd., S. 97 f.
[18] Ebd., S. 98.
[19] Ebd., S. 9.
[20] Ebd., S. 497.
[21] Ebd., S. 22.
[22] »Ein Buch provoziert einen neuen Historikerstreit: Waren die Deutschen doch alle schuldig?« lautet die Unterzeile eines Beitrages, den Volker Ulrich in der Zeit vom 12. April 1996, unter der Überschrift: »Hitlers willige Mordgesellen« publiziert hatte. Der Beitrag ist dokumentiert in: Julius H. Schoeps (Hg.): Ein Volk von Mördern? Die Dokumentation zur Goldhagen-Kontroverse um die Rolle der Deutschen im Holocaust, Hamburg 1996.
[23] Uwe Soukop: Das Holocaust-Personal. In: Junge Welt vom 17. April 1996.
[24] Ulrich Herbert: Die richtige Frage. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 214.
[25] Eberhard Jäckel: Einfach ein schlechtes Buch. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 187.
[26] Hans-Ulrich Wehler: Wie ein Stachel im Fleisch. In: Schoeps: Ein Volks von Mördern, S. 207.
[27] Jäckel: Einfach ein schlechtes Buch, S. 187.
[28] Ingrid Gilcher-Holtey: Die Mentalität der Täter. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern. Wolfgang Wippermann: Wessen Schuld? Vom Historikerstreit zur Goldhagen-Kontroverse, 2. Auflage, Berlin 1997.
[29] Alfred Schobert: Die Goldhagen-Kontroverse in deutschsprachigen Medien. Chronologie der Artikel. In: http://www.uni-duisburg.de/DISS/Internetbibliothek/Buecher/Goldhagen.htm.
[30] Vgl. hierzu: Wolfgang Wippermann: Goldhagen und die deutschen Kritiker. Strukturalistische Verkürzungen, böswillige Unterstellungen und antisemitische Untertöne. In: Jürgen Elsässer, Andrei S. Markovits (Hgg.): »Die Fratze der eigenen Geschichte«. Von der Goldhagen-Debatte zum Jugoslawien-Krieg, Berlin 1999, S. 14 ff.
[31] Vgl. u. a. Norman G. Finkelstein, Ruth Bettina Birn: Eine Nation auf dem Prüfstand. Die Goldhagen-These und die historische Wahrheit. Mit einem Vorwort von Hans Mommsen, Hildesheim 1998.
[32] Rudolf Augstein: Der Soziologe als Scharfrichter. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 107.
[33] Jäckel: Einfach ein schlechtes Buch, S. 189.
[34] Frank Schirrmacher: Hitlers Code. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 102.
[35] Josef Joffe: »Die Killer waren normale Deutsche, also waren die normalen Deutschen Killer«. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 162.
[36] Schirrmacher: Hitlers Code, S. 105.
[37] Jäckel: Einfach ein schlechtes Buch, S. 187.
[38] Jost Nolte: Sisyphos ist Deutscher. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 111.
[39] Schirrmacher: Hitlers Code, S. 105.
[40] Vgl. Günther Anders: Wir Eichannsöhne, München 1988, S. 80 ff.
[41] Zur Kollektivschuldthese vgl. auch Wippermann: Goldhagen und die deutschen Historiker, S. 14 f.
[42] Manfred Rowold: Herausforderung für die Historiker. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S.115 f.
[43] Volker Ullrich: Hitlers willige Mordgesellen, S. 92.
[44] Frank Ebbinghaus: Warum ganz normale Männer zu Tätern wurden. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 140.
[45] Wehler: Wie ein Stachel im Fleisch, S. 200.
[46] Schirrmacher: Hitlers Code, S. 101 f.
[47] Zit. nach: Gerhard Scheit: Germans down, Germans up. Daniel J. Goldhagen und die Erben der willigen Vollstrecker Hitlers. In: Wolfgang Schneider (Hg.): Wir kneten ein KZ. Aufsätze über Deutschlands Standortvorteil bei der Bewältigung der Vergangenheit, Hamburg 2000, S. 129.
[48] Norbert Frei: Ein Volk von »Endlösern«? In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 93.
[49] Zit. nach: Scheit: Germans down, Germans up, S. 129.
[50] Ebbinghaus: Warum ganz normale Männer, S. 140.
[51] Frei: Ein Volk von »Endlösern«, S. 98.
[52] Schirrmacher: Hitlers Code, S. 105.
[53] Andrei S. Markovits: Störfall im Endlager der Geschichte. In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 237.
[54] Augstein: Der Soziologe als Scharfrichter, S. 106.
[55] Schirrmacher: Hitlers Code, S. 102.
[56] Hans Mommsen: Vorwort. In: Finkelstein, Birn: Eine Nation auf dem Prüfstand, S. 10.
[57] Peter Glotz: Nation der Killer? In: Schoeps: Ein Volk von Mördern, S. 125.
[58] Zit. nach: Markovits: Störfall im Endlager der Geschichte, S. 231.
[59] Augstein: Der Soziologe als Scharfrichter, S. 106.
[60] Nolte: Sisyphos ist Deutscher, S. 111.
[61] Glotz: Nation der Killer, S. 125.
[62] Wehler: Wie ein Stachel im Fleisch, S. 203.
[63] Nolte: Sisyphos ist Deutscher, S. 112 f.
[64] Jäckel: Einfach ein schlechtes Buch, S. 191.
[65] Wehler: Wie ein Stachel im Fleisch, S. 200.
[66] Scheit: Germans down, Germans up, S. 140.
[67] Goldhagen wurde, obwohl er sich stets von entsprechenden Untersuchungen distanzierte, in der Debatte regelmäßig als Vertreter der These eines besonderen deutschen Nationalcharakters bezeichnet.
[68] Gerhard Scheit: Die Meister der Krise. Über den Zusammenhang von Vernichtung und Volkswohlstand, Freiburg 2001, S. 94.
[69] Ebd., S. 93.
[70] Ebd., S. 94.
[71] Hermann-Josef Rupieper, Georg Wagner-Kyora: Einleitung. In: Hallische Beiträge zur Zeitgeschichte 8 (2000), S. 7.
[72] Eike Geisel: Triumph des guten Willens. Gute Nazis und selbsternannte Opfer. Die Nationalisierung der Erinnerung, Berlin 1998, S. 137.
[73] Lars Rensmann: Die Walserisierung der Berliner Republik. Geschichtsrevisionismus und antisemitische Projektion: Einwände gegen die These vom geläuterten Deutschland. In: Elsässer, Markovits: »Die Fratze der eigenen Geschichte«, S. 57.
[74] Jan Gerber: Auf der Suche nach Normalität. Der Antizionismus der westdeutschen Stadtguerilla. In: Hallische Beiträge zur Zeitgeschichte 10 (2000), S. 39.
[75] Zur Goldhagen-Rezeption der deutschen Linken vgl. Küntzel u. a.: Goldhagen und die deutsche Linke.
[76] Theodor W. Adorno, Max Horkheimer: Vorwort. In: Paul Massing: Vorgeschichte des politischen Antisemitismus. Aus dem Amerikanischen übersetzt und für die deutsche Ausgabe bearbeitet von Felix J. Weil, Frankfurt am Main 1959, S. V.
[77] Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker, S. 12 f.
[78] Daniel Jonah Goldhagen: Eröffnungsstatement zur Pressekonferenz Presseclub Bonn, Montag 10. März 1997, 14 Uhr im Rahmen der Verleihung des Blätter-Demokratiepreises 1997. In: Http://www.blaetter.de/demokrat/golrede.htm (17. Februar 2004).
[79] Scheit: Germans down, Germans up, S. 154.
[80] Inge Barth-Grözinger: Leserbrief. In: Briefe an Goldhagen. Eingeleitet und beantwortet von Daniel Jonah Goldhagen, Berlin 1998, S. 54.
[81] Die von Goldhagen benannten Tatsachen, so Habermas, würden die Rede von der Judenvernichtung als einem »nationalen Projekt der Deutschen« nicht rechtfertigen. Goldhagen scheine den »Kredit seiner empirischen Untersuchungen intentionalistisch zu überziehen und daraus einen globalen Erklärungsanspruch abzuleiten«. Jürgen Habermas: Warum ein »Demokratiepreis« für Daniel Goldhagen? In: Die Zeit 12 (1997). Die Reden, die bei der Preisverleihung gehalten wurden, sind auch dokumentiert bei: Karl D. Bredthauer, Arthur Heinrich (Hgg.): Aus der Geschichte lernen. Verleihung des Blätter-Demokratiepreises 1997, Bonn 1997.
[82] Karl D. Bredthauer: Statement zum Blätter-Demokratiepreis 1997, Presseclub Bonn, Montag 10. März 1997, 14 Uhr. In: Http://www.blaetter.de/demokrat/stateme.htm (17. Februar 2004).
[83] Habermas: Warum ein »Demokratiepreis« für Daniel Goldhagen?
[84] Hermann L. Gremliza: Wenn die Deutschen Auschwitz nicht erfunden hätten, hätten sie Auschwitz erfinden müssen. In: Wolfgang Schneider: Wir kneten ein KZ, S. 9.
[85] Vgl. die zahlreichen Beispiele in: Herrschaftszeiten. In: Konkret 5 (1999), S. 10 ff.
[86] Götz Aly: Das Deutsche in Serbien. In: Die Tageszeitung vom 17. April 1999.
[87] Goldhagens Guardian-Artikel wurde von Fred Kautz vollständig ins Deutsche übertragen: Daniel Jonah Goldhagen: Eine »deutsche Lösung« für den Balkan. Um das Völkermorden zu beenden, muss die Nato Serbien besiegen, besetzen und umerziehen. In: Elsässer, Markovits: Die Fratze der eigenen Geschichte.
[88] Ebd., S. 163. Ludger Vollmer, Staatsminister im Auswärtigen Amt, hatte u. a. erklärt, »Milosevic handelt nicht anders als Hitler«. Zit. nach: Herrschaftszeiten. In: Konkret 5 (1999), S. 13.
[89] Goldhagen: Eine »deutsche Lösung« für den Balkan, S. 163.
[90] Ebd. S. 168.
[91] Im Rahmen dieses Beitrages können diese Schwachstellen nur angeschnitten werden. Es sei daher auf einige weiterführende Aufsätze verwiesen, in denen Goldhagen gegen seine Feinde und den Großteil seiner Freunde verteidigt wird, sein Antisemitismusbegriff, seine Vorstellung von Gesellschaft usw. allerdings einer Kritik unterzogen werden: Andreas Benl, Stefan Vogt: »No Germans, no Holocaust.« Zur Kritik von Daniel Jonah Goldhagens »Hitler’s Willing Executioners«. In: Bahamas 20 (1996); Joachim Bruhn: Nazismus als Erkenntnisfalle. Warum die Geschichtswissenschaft die denkbar ungeeignetste Methode ist, Auschwitz zu verstehen. In: Bahamas 22 (1997); Rensmann: Die Walserisierung der Berliner Republik; Scheit: Germans down, Germans up.
[92] Vgl. Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker, S. 66.
[93] Simone Dinah Hartmann, Florian Markl, Tobias Ofenbauer: No more Mass Murder. Goldhagen erfolgreich resozialisiert. In: Bahamas 29 (1999), S. 41.
[94] Rensmann: Die Walserisierung der Berliner Republik, S. 46. »Das Abstrakt-Allgemeine,« so führt Rensmann weiter aus, »die universellen Prinzipien bürgerlicher Vergesellschaftung, sind zu begreifen als Eigenschaft des Konkreten – der konkreten Ermordung von sechs Millionen Juden durch deutsche Täter –, nicht aber ist das sinnlich-konkrete Leiden nur als Erscheinungsform des Abstrakt-Allgemeinen, der kapitalistischen Gesellschaft, zu fetischisieren.« Ebd., S. 47.
[95] Benl, Vogt: »No Germans, no Holocaust«, S. 43 f.
[96] Vgl. hierzu Rensmann: Die Walserisierung der Berliner Republik, S. 49.
[97] Vgl. hierzu den aufschlussreichen Artikel von Hartmann, Markl und Ofenbauer: No more Mass Murder, S. 42.