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Jan Gerber
»Aufstand der Arschlöcher«. Ein Rückblick
auf 20 Jahre »revolutionärer 1. Mai«
In: Bahamas 52/2007
Kaum eine Aufbruchsbewegung, die in die Jahre gekommen ist, kommt ohne
den Verweis auf mythische Ereignisse in ihrer Geschichte aus. Mit Hilfe
von Anekdoten über die gute alte Zeit, in der die Bewegung noch jung
und frisch war, wollen die alten Kämpfer nicht nur die Leidenschaft,
den Eifer und die Hingabe von einst reaktivieren. Die Verweise auf die
eigene Kampfzeit dienen zugleich dem Nachweis, dass die Erzähler
nicht immer die Langweiler waren, für die sie von ihren Enkeln, Freunden
und letztlich auch sich selbst gehalten werden. So sprach man beim Seniorenkränzchen
lange Zeit wehmütig vom Marsch auf die Feldherrenhalle oder vom russischen
Winter. Die Generation Ströbele erinnert sich an die »Schlacht
am Tegeler Weg«, die am Rande eines Gerichtsverfahrens gegen Ströbeles
Kollegen Horst Mahler geführt wurde und das Punkrock-Fossil, das
längst zu alt ist, um jung zu sterben, lebt in den Erinnerungen an
die Chaostage 1984 in Hannover noch einmal richtig auf.
Die autonome Bewegung, die ihre großen Tage ebenfalls schon lange
hinter sich hat, verfügt gleich über mehrere identitätsstiftende
Kampferlebnisse. In Hamburg spricht man mit leuchtenden Augen von der
Verteidigung der Hafenstraße («des Hafens«). In Göttingen
erinnert man sich ehrfürchtig an das Machtgefühl, das entsteht,
wenn man in Begleitung des Landesumweltministers mit Sturmhaube, Helm
und Erlaubnis der Polizei über den Innenstadtring läuft. Und
in Frankfurt erzählt man sich noch immer Landsergeschichten vom Hüttendorf,
den Sonntagsspaziergängen und Prügeleien am Bauzaun der Startbahn
West. Der zentrale Mythos der Bewegung, der autonome Marsch auf die Feldherrenhalle
also, ist allerdings der 1. Mai 1987 in Berlin. Über kaum ein Ereignis
wird am autonomen Stammtisch so viel fabuliert wie über die »herrschaftsfreie
Zeit« in der Nacht vom 1. zum 2. Mai 1987 in Kreuzberg, kein Ereignis
wurde so häufig auf T-Shirts, in Wandparolen und Liedern festgehalten,
und kein anderes Ereignis wird seither Jahr für Jahr in einer Mischung
aus Krippen- und Geländespiel nachgestellt.
In diesem Jahr steht nun das 20. Jubiläum der Kiezrevolte an. Bereits
in den Berichten über den letzten 1. Mai wurde auf den bevorstehenden
Jahrestag verwiesen, und wie immer, wenn der linke Zusammenhalt gestärkt,
eine gemeinsame Referenz beschworen und aus der Vergangenheit eine Verpflichtung
für die Zukunft abgeleitet werden soll, begannen die Nachlaßverwalter
der Szene auch in diesem Fall schon frühzeitig damit, die Jubiläumsfeierlichkeiten
auszurichten. Nicht zuletzt an dieser Hingabe wird deutlich, dass der
1. Mai 1987 nicht nur ein harmloses historiographisches Ereignis ist.
Er ist vielmehr – und das dürfte auch den diversen Vorbereitungsgruppen,
Politkreisen und Treuhändern der Bewegung bewusst sein – eine
der Urszenen der autonomen Linken und ihrer globalisierungskritischen
Widergänger. Am 1. Mai 1987 wurden nicht nur spätere Entwicklungen
und Ereignisse vorweggenommen; in seiner regelmäßigen Beschwörung
werden zugleich die linksdeutschen Erwartungen und Hoffnungen an die Zukunft
formuliert.
Ein Rückblick
Am Morgen des 1. Mai 1987 durchsuchte die Polizei das autonome »Kultur-
und Kommunikationszentrum« Mehringhof. Einige Stunden nach der Durchsuchung
kam es bei einem Straßenfest zu ersten Steinwürfen auf Beamte,
ein Polizeiauto wurde umgekippt, erste Barrikaden wurden errichtet. Die
Situation eskalierte. Etwa 50 Barrikaden wurden angezündet, »Bauzäune,
Presslufthämmer, Flaschen und immer wieder Steine« verschmolzen,
wie im autonomen Selbstfindungsorgan Radikal berichtet wurde, zu »Höckern
im Asphalt«. (Radikal 133: 82) Mehr als 70 Polizeifahrzeuge wurden
demoliert. Am späten Abend sahen sich die Einsatzkräfte schließlich
gezwungen, sich aus Kreuzberg zurückzuziehen. Die dpa sprach später
von einer »der schwersten Straßenschlachten der Nachkriegszeit«;
der damalige Innensenator Wilhelm Kewenig (CDU) räumte ein, dass
die Ordnungshüter die Lage nicht mehr im Griff gehabt hätten.
(Taz vom 4. Mai 1987) Erst am frühen Morgen des 2. Mai, nachdem sie
sich für mehrere Stunden aus dem Stadtteil zurückgezogen hatte,
rückte die Polizei wieder mit Panzerspähwagen, Wasserwerfern
und Barrikadenräumfahrzeugen in Kreuzberg ein.
Wie immer, wenn es irgendwo brennt, Barrikaden errichtet werden und Vermummte
auf Polizeifahrzeuge eindreschen, zeigten sich große Teile der Linken
begeistert. Am 1. Mai, so schwärmte ein Autonomenhäuptling wenige
Jahre später in seiner Familienchronik, »kam es zu einer gemeinsamen
Revolte von Autonomen und BesucherInnen eines Straßenfestes, in
deren Verlauf sich weite Teile der Bevölkerung aus dem Kreuzberger
Kiez anschlossen«. [1] Was hier nach den Massen-Phantasien eines
ideellen Gesamt-K-Grüpplers klingt, entsprach tatsächlich der
Realität. Während Innensenator Kewening die Randale kurz nach
den Ausschreitungen auf die autonome Szene und eine »Clique von
Anti-Berlinern« zurückführte, die aus Westdeutschland
angereist seien, musste der Senat wenig später eingestehen, dass
breite Schichten der Bevölkerung an den Krawallen beteiligt waren.
Von den 47 Verhafteten der Nacht war kein einziger der autonomen Szene
zuzurechnen; alle lebten schon seit geraumer Zeit in Berlin. Ein Pfarrer
schilderte später sogar, dass selbst Mitglieder seines Seniorenkränzchens
an der Plünderung von Supermärkten beteiligt waren. [2]
Die Vorstellung plündernder Rentner mag auf den ersten Blick amüsant
erscheinen. Wer allerdings schon einmal miterleben konnte, wie sich deutsche
Pensionäre im Urlaub an Hotelbuffets benehmen, wer beobachten musste,
mit welcher Aggressivität sie ihren vermeintlichen Anspruch auf Sonderangebote
verteidigen oder an der Supermarktkasse wettern, dass die Schlange »hinten
zu Ende« sei, weiß durchaus um die Bedrohlichkeit der Situation.
Daueraggressiven Senioren nicht unähnlich fielen die Kreuzberger
am 1. Mai 1987 klassen- und altersübergreifend über die staatliche
und kommerzielle Infrastruktur zwischen Kottbusser und Schlesischem Tor
her. Dutzende Geschäfte – vom kleinen Eckladen, auf den man
im Kiez so stolz ist, bis hin zum großen Supermarkt – wurden
geplündert; und auf offener Straße versuchten Gruppen, die
sich gerade erst zusammengefunden hatten, sich ihr Diebes- und Raubgut
gegenseitig wieder abzujagen. Die weit über 100 Verletzten des Abends
gingen dementsprechend nicht allein auf das Konto der Polizei. Zahlreiche
Personen waren vielmehr durch unkontrollierte Flaschen- und Steinwürfe,
beim Plündern oder den sofort entbrannten Revierverteilungskämpfen
verletzt worden.
Alles Opfer
Diese massenhafte Bereitschaft der Kreuzberger, die damals gar nicht sehr
zahlreichen Geschäfte nicht etwa nur zu plündern, sondern möglichst
auch zu zerstören, wurde in der Folge immer wieder auf die sozialen
Probleme im Kiez zurückgeführt. Geronimo, der bereits erwähnte
Autonomenhäuptling, erklärte in seinem Buch Feuer und Flamme,
dass am 1. Mai 1987 »im wahrsten Sinne des Wortes die seit Jahren
angehäuften sozialen und politischen Widersprüche« explodiert
seien. [3] Eine Initiative, die eine Dokumentation über die Ereignisse
erstellte, rechnete vor, dass das Pro-Kopf-Einkommen in Kreuzberg deutlich
unter dem Berliner Durchschnitt liege. [4] Und die Alternative Liste verurteilte
zwar das »beispiellose Ausmaß an Zerstörung«, erklärte
jedoch verständnisvoll, dass sich »hinter den blankgeputzten
Fassaden« der städtischen 750-Jahr-Feiern, die kurz zuvor begonnen
hatten, ein »hohes Maß an Unzufriedenheit und sozialer Spannung
angesammelt« habe. (Taz vom 4. Mai 1987)
Wie auch in anderen Fällen, in denen die Sauereien der Underdogs
mit ihrer Arbeits- und Perspektivlosigkeit entschuldigt werden sollen,
greifen die Verweise auf die soziale Lage auch im Fall des 1. Mai 1987
zu kurz. So war und ist das Pro-Kopf-Einkommen in Kreuzberg zwar tatsächlich
niedriger als in Grunewald; die Arbeitslosenquote war und ist deutlich
höher als in Charlottenburg. Trotz dieser Unterschiede war in der
Bundesrepublik und im Westberlin der 1980er Jahre der Druck auf Arbeitslose
und Sozialhilfeempfänger bei weitem nicht so groß wie heute
– Hartz IV war noch nicht verabschiedet, Zwangsarbeitsmaßnahmen
waren noch nicht eingeführt worden. Gerade in Szenevierteln wie Kreuzberg
lebten damals nicht wenige freiwillig von der Stütze oder von Sozialhilfe
und wussten häufig die staatliche Alimentierung aufzubessern. Frühere
Aktivisten der linken Szene und andere mehr oder weniger freiwillige drop
outs berichten immer wieder, dass mit Hilfe des Staates und kleinerer
Gelegenheitsverdienste in dieser Zeit durchaus kein schlechtes Auskommen
war. [5] Wirklich im Elend lebte damals eine Minderheit nicht mehr junger
ungelernter Arbeiter, die es in den 70er Jahren versäumt hatten,
den damals ganz heruntergekommenen Bezirk wie die Mehrheit der Arbeiter
zu verlassen und in Neubausiedlungen zu ziehen. Auch die Massenarbeitslosigkeit
unter den türkischen Kreuzbergern setzte in den späten 80er
Jahren erst allmählich ein. Mit anderen Worten: Die Kreuzberger konnten
in ihrer Mehrheit zwar kein sorgenfreies Leben in Luxus führen. Sie
waren jedoch auch nicht, wie in autonomen Blättern immer wieder suggeriert,
gezwungen, ihr Überleben durch Plünderungen zu sichern, Menschen
auf offener Straße zu berauben oder die Existenzgrundlage des Gemüsehändlers
von nebenan zu zerstören.
Hinter der massenhaften Bereitschaft zu Raub und Diebstahl, die am 1.
Mai 1987 in jenem Teil des Bezirks zu beobachten war, der als das Kreuzberg
mit dem Postzustellungsnummer 36 zum Mythos verklärt wurde, dürfte
also weniger materielle Bedürftigkeit gestanden haben. Ebenso wie
hinter dem Verhalten der bereits erwähnten Senioren, die sich trotz
Rentenerhöhung und eines Sparkontos, das sie bis zu ihrem Lebensende
nicht antasten wollen, im Winterschlussverkauf für das gerade entdeckte
Schnäppchen schlagen wollen, dürfte sich auch hinter den Kreuzberger
Plünderorgien vom 1. Mai 1987 ein eingebildetes Elend verborgen haben.
Ein Elend, das auf dem Glauben basiert, stets zu kurz zu kommen, immer
nur übervorteilt und von allen nur »belogen« und »betrogen«
zu werden, verweist auf eine Gesellschaft, die ihre ideologischen Existenzbedingungen
nicht mehr reproduzieren kann. Wenn normale Bürger massenhaft kriminell
werden und selbst gut situierte Bürger um Beute kämpfen wie
Verhungernde am UN-Hilfskonvoi, zeigt sich erneut, dass der hierzulande
ohnehin nie sonderlich ausgeprägte Glaube an das bürgerliche
Glücksversprechen im Zerfallen begriffen ist. Glaubte man in der
Zeit des Wirtschaftswunders – das bekanntermaßen teilweise
auf den Raubzügen des Nationalsozialismus beruhte – noch, dass
man mit genügend Fleiß, Geschick und Engagement den Weg vom
Tellerwäscher zum Imbisskettenbesitzer gehen kann, erntet man unter
Verweis auf »ehrliche Arbeit«, »Rechtschaffenheit«
und Gesetzestreue am Stammtisch heute nur noch höhnisches Gelächter.
Ein gewisser Mark, ein junger Mann aus gutem Elternhaus, der am Beginn
einer erfolgversprechenden Karriere steht, erklärte in einem Interview
für eine regionale Jugendstudie vor kurzem exemplarisch: »Mit
Ehrlichkeit kommst du nicht weiter. Um hier was zu werden, musst du zusehen,
wo du bleibst. Da kannst du keine Rücksicht nehmen, auf mich nimmt
auch keiner Rücksicht. Da musst du eben auch mal fünfe grade
sein lassen, du darfst dich eben nur nicht erwischen lassen.« [6]
Macht kaputt, was euch kaputt macht?
Gegen die Bedürftigkeitsthese der ehrenamtlichen wie hauptberuflichen
Sozialarbeiter spricht noch ein weiteres Argument: Wer in materieller
Hinsicht bedürftig ist, bringt die erbeuteten Lebensmittel, Spirituosen
etc. nach Hause, verbraucht sie selbst oder verkauft sie. Beobachter berichten
jedoch immer wieder, dass Kiezbewohner, die mit Eisenstangen auf ihr Raubgut
einprügelten, es zu Haufen auftürmten und schließlich
in Flammen setzten, weitaus charakteristischer für den 1. Mai 1987
waren als die, zweifellos ebenfalls stattgefundenen Plünderungen
zum Zweck der Bereicherung. Auch wenn in autonomen Publikationen oft das
Gegenteil behauptet wurde, versuchten die Kreuzberger – allen voran
die »politisch bewussten« – also weniger, ihren Speiseplan
aufzupeppen oder einfach nur ihre finanzielle Situation zu verbessern.
Sie schienen an ihrem Beutegut vielmehr abarbeiten zu wollen, dass sie
ohnehin nichts mit ihm anzufangen wissen. Die Produkte selbst, so stellte
Wolfgang Pohrt vor inzwischen mehr als 30 Jahren fest, sind durch das
falsche gesellschaftliche Produktionsverhältnis deformiert; die Verelendung
und Verödung des Lebens »drückt sich in der Unfähigkeit
aus, die Gegenstände wirklich zu benutzen«. [7] Als letzte
Nutzoptionen bleiben nur der Gang zum Mülleimer oder die eigenhändige
Zerstörung des Krempels, der immer seltener zum Wohlbefinden seiner
Eigentümer beitragen kann. Möglicherweise ist das der Grund
dafür, warum kollektive Raubzüge in der westlichen Hemisphäre
so häufig mit Verwüstungen einhergehen und Plünderungen
kaum von Zerstörungsorgien zu unterscheiden sind. Auch die Reportagen
und Augenzeugenberichte über den 1. Mai 1987 lassen vermuten, dass
der psychische Gewinn der Plünderer weniger in der Aneignung und
späteren Nutzung fremden Eigentums als in der Zerstörung von
Gegenständen besteht, für die sie ohnehin keine Verwendung haben.
»Der zweite Glascontainer«, so berichtete beispielsweise die
Taz nicht ohne eine gewisse Faszination, »wird umgeworfen, Tausende
Scherben und Flaschen prasseln gegen den Containerstahl. Dann rollt das
grüne Ungetüm, seinen Inhalt lawinenartig umwälzend, über
Kopfsteinpflaster auf die Barrikade zu. Der Höllenlärm der berstenden
Flaschen törnt an. Die Fäuste fliegen nach oben, als die Scherbenkugel
mit finalem Getöse ankommt. Je lauter, krachender, durchdringender,
schriller der Lärm, desto mehr Freude kommt auf. Ein Sound der Zerstörung,
rhythmisch unterlegt von der Monotonie der hämmernden Steine. Bierkästen
und Schnapspullen aus irgendeinem der geplünderten Läden werden
mit glänzenden Augen zum brennenden Altar getragen. Drei, vier nur
schemenhaft erkennbare Personen tanzen zu den Schlägen der Pflastersteine.
Einzelne Stichflammen schießen aus der Brandstelle hoch und werden
jubelnd begrüßt. Die Steine halten den Rhythmus, stundenlang.
Ein Szenario der Ekstase. Berauscht von der eigenen Kraft und von den
kreisenden Flaschen feiern die Kämpfer ein Freudenfest, ungestört
von der Polizei, angesoffen und happy.« (Taz vom 4. Mai 1987)
Gangs of Berlin
Anders als vom autonomen Chronisten Geronimo begeistert erklärt,
war das Kreuzberg, das in diesem Taz-Bericht beschrieben wird, kein »rechtsfreier
Raum«. [8] In der Nacht vom 1. zum 2. Mai 1987 kündete sich
vielmehr rund um den Mariannenplatz die Durchsetzung eines Rechts der
Stärkeren an. Die »faszinierende volksfestartige Stimmung«,
von der der Häuptling an gleicher Stelle schwärmt, war der Vorschein
einer Herrschaft des Pöbels und der Banden. Und tatsächlich
erinnert der oben zitierte Taz-Artikel nicht nur an die Berichte, die
Ethnologen im 18. Jahrhundert über ihre – oft nur fiktiven
– Forschungsreisen nach Borneo oder ins Amazonasgebiet verfassten.
Er weckt zugleich Assoziationen zu den archaischen Ritualen, die Martin
Scorcese in seinem Film Gangs of New York beschreibt. Während Scorcese
jedoch die Durchsetzungsgeschichte der bürgerlichen Gesellschaft
schildert, beschreibt der Taz-Bericht ihren Zerfall. In Gangs of New York
wird die Herrschaft der Banden, die bis in die Zeit des amerikanischen
Bürgerkriegs hinein akzeptierter Teil des städtischen Gefüges
waren, durch den Einmarsch der Unionstruppen und das obligatorische Massaker
beendet; bei den heutigen Riots werden sie in der Regel erst durch den
Rückzug der Staatsmacht, die einstmals aus der stärksten Bande
hervorgegangen ist, auf den Plan gerufen. Ähnlich wie die französischen
Vorstadtunruhen des Jahres 2005, als deren Vorwegnahme die Maikrawalle
von 1987 gleich in mehrfacher Hinsicht betrachtet werden können,
basierten auch die Kreuzberger Randale zunächst auf dem Zusammenspiel
von migrantischen Jugendlichen, die damals allerdings erst am Anfang von
Bandenbildung und Islamisierung standen, und der Linken; ähnlich
wie die Krawalle in den Banlieues lief auch die Kreuzberger Kiezrevolte
nach dem Muster der Landnahme ab. [9] Während die französische
Linke den Vorstadtgangs allerdings nur ideelle Schützenhilfe bot,
leisteten die Kreuzberger Autonomen 1987 handfeste Unterstützungsarbeit
bei der Herausbildung eines migrantischen Bandenwesens, mit dem sich heute
Kiezmanager herumschlagen, die damals, als Kreuzberg »brannte«,
mit glänzenden Augen »dabei« waren. Gemeinsam mit den
deutschen und türkischen Jugendbanden, die immer wieder als die »treibende
Kraft der Ausschreitungen« benannt werden [10], und Horden von betrunkenen
Festbesuchern, Anwohnern und Passanten vertrieben einige hundert Autonome
zunächst die Polizei aus dem Kiez und setzten damit das Gewaltmonopol
des Staates außer Kraft. Dabei profitierten sie, wie in den verschiedenen
autonomen Therapieblättern immer wieder stolz erklärt wurde,
vom militärischen Wissen, das sie in den Auseinandersetzungen an
unzähligen AKW-Bauzäunen erworben hatten. Geronimo berichtete
vom »umsichtigen Barrikadenbau« durch Autonome [11]; in der
Radikal wurde mitgeteilt, dass erfahrenere Autonome versuchten, »die
eroberten Straßen abzusichern und Barrikaden weiter vorzuverlegen,
wodurch noch mehr Supermärkte geplündert werden konnten«.
(Radikal 133: 84) Und auch in einer der Diplomarbeiten über die Autonomen,
die seit dem Ende der 80er Jahre massenhaft veröffentlicht wurden,
wird erklärt: »Während die Autonomen, als einzige beteiligte
politische Gruppe an der Revolte, die Polizei durch Barrikaden von der
Straßenräumung abhielten, wurde die Situation von anderen Gruppen
der Bevölkerung genutzt, um diverse Geschäfte zu plündern.«
[12]
Hinter der »Front«, von der in verschiedenen autonomen Blättern
tatsächlich die Rede war, arbeiteten sich spontan zu Gangs zusammengeschlossene
Jugendliche, in Rotten vorgehende Kiezbewohner und autonome Kleingruppen
zunächst an den Symbolen und der Infrastruktur des gerade vertriebenen
Gegners ab: Alle Ampeln wurden außer Betrieb gesetzt, sämtliche
Telefonzellen der Umgebung wurden kurz und klein geschlagen, sogar Strommasten
wurden zertrümmert. (Taz vom 4. Mai 1987) Die ohnehin bescheidene
Infrastruktur des Viertels, über dessen Vernachlässigung sich
die Autonomen später bei ihren »Kiezpalavern« und migrantische
Kids vor angereisten Fernsehteams beklagten, wurde damit nahezu systematisch
verwüstet. Nicht einmal der Feuerwehr wurde die Durchfahrt gewährt
– Löschdienste, die sich dennoch bemühten, ihrer Arbeit
nachzugehen, wurden angegriffen, ihre Autos angezündet. (ebd.)
Die randalierenden Kiezbewohner demonstrierten dabei noch einmal das Grundmuster
der Bandenherrschaft: Im Unterschied zum Staat, der sich seiner Herrschaft
außerhalb des Ausnahmezustands durch das reibungslose Funktionieren
des Ganzen versichert, verfolgt die Bande in der Regel keinen anderen
Zweck als die Herrschaft der Bande. Sie demonstriert ihre Herrschaft im
Willkürakt; der Ausnahmezustand ist im Gangland die Regel. Ganz in
diesem Sinn richteten sich die Angriffe der Randalierer nicht nur gegen
die Repräsentanten des Staates, die städtische Infrastruktur,
Supermärkte und kleinere Geschäfte. Die revoltierenden Kiezbewohner
zerstörten zugleich willkürlich die Klein- und Mittelklassewagen
ihrer Nachbarn – und vernichteten damit oftmals deren Existenzgrundlage
–, griffen Krankentransporte an [13], und fielen, wie verschiedene
Beobachter berichten, durch »schwere Anmache gegen Frauen«
bzw. »Angriffe auf Frauen« auf. (Radikal 133: 71, 110) Selbst
an Wohnhäusern wurde, wie in der Radikal berichtet wurde, Feuer gelegt.
(Ebd.: 71) »Einige Anwohner«, so ist auch einer Reportage
aus der Taz zu entnehmen, »haben eine Leiter herangeschleppt und
versuchen mit dem Gartenschlauch die Wand des angrenzenden Gebäudes
zu nässen. Sinnlos und fast lächerlich plätschert das Rinnsal
gegen die Hausmauer. ›Macht doch was, macht doch endlich was, da
brennt gleich ein ganzer Häuserblock ab‹, bedrängt eine
Anwohnerin die Männer der Feuerwache in der Wiener Straße.
›Wir können nichts machen, die Polizei hat Kreuzberg aufgegeben‹,
resigniert der Brandmeister.« (Taz vom 4. Mai 1987)
Autonome Selbstkritik
Ebenso wie ihre französischen Genossen nach der Raserei in den französischen
Vorstädten zeigten sich weite Teile der Autonomen im Nachgang der
Kreuzberger Kiezrevolte begeistert. Einigen von ihnen war dabei zumindest
bewusst, dass sich die Zerstörungsorgie des 1. Mai nur schwerlich
als Protest gegen »politische Fehlentwicklungen«, »Arbeitslosigkeit«
und »Umstrukturierungen des Kiezes« verkaufen ließ.
Mit den Angriffen auf Privatpersonen, Krankentransporte, Feuerwehrfahrzeuge,
den sexuellen Übergriffen oder der Brandschatzung an Wohnhäusern
ließ sich keine politische Sinnstiftung betreiben. »Die Krawalle
Anfang Mai«, so wurde von berufener Seite erklärt, »waren
kein Aufstand mit Sinn und Ziel, es sei denn, man erklärt den Spaß
an der Sache zum Sinn.« (Radikal 133: 80) Diese Aussage klingt zwar
zunächst wie eine erfreuliche Absage an die linken Sachwalter der
»konstruktiven Kritik« – und möglicherweise wäre
sie zehn Jahre später, als sich der 1. Mai in ein harmloses Geländespiel
mit der Polizei verwandelt hatte, das von linken Politkommissaren immer
wieder für seine Inhaltsleere und seinen Ritualcharakter kritisiert
wurde, auch berechtigt gewesen. Kurz nach den Ereignissen des 1. Mai 1987
war sie jedoch das Plädoyer für den besseren »Aufstand«,
mithin die Rechtfertigung der Barbarei. Am 1. Mai 1987 war demonstriert
worden, dass es schlimmeres als die instrumentelle Vernunft des bürgerlichen
oder auch postfaschistischen Staates gibt: den Krieg aller gegen alle
im Notstandsgebiet, den permanenten Ausnahmezustand und die Willkürherrschaft
der Banden, Gangs und Rackets. Die Absage an die Sinnstiftung für
Staat, Arbeit und Kapital, die aus der Aussage der autonomen Randalefreunde
spricht, ist in diesem Zusammenhang die Zustimmung zum permanenten Kampf
und zur Gewalt um der Gewalt Willen; der Kampf wird hier, ähnlich
wie bei Ernst Jünger und Georges Sorel, zum »inneren Erlebnis«.
[14] Am 1. Mai hatte man im Grunde nur unheimliches Glück gehabt:
Das Feuer vom Bolle-Markt, griff dann doch nicht auf das Nachbargebäude
über, die brennende Tankstelle ist nicht in die Luft geflogen, die
geschossartig herumfliegenden Sauerstoffflaschen eines brennenden Löschzuges
verletzten niemand, die Banden waren noch zu unorganisiert und vor allem
zu sehr überrascht, um auszutoben, was wirklich in ihnen steckte,
und es soll »nur« zu zwei Vergewaltigungen gekommen sein.
Die autonomen Reaktionen auf die Revolte waren wohl deshalb nicht einheitlich:
Zumindest einen Teil der Szene hatte angesichts der Vorgänge im Kreuzberger
Ausnahmezustand, den sie immerhin maßgeblich zu verantworten hatte,
für einen kurzen Augenblick auch das Erschrecken gepackt. Und so
wartete die Radikal nicht nur mit Randalekitsch und faschistischer Gewaltverherrlichung
auf. Einige Autoren bezeichneten die Kiezrevolte vielmehr als »Aufstand
der Arschlöcher« (Radikal 133: 70), kritisierten immer wieder
»Typen und Typengangs« und Übergriffe auf Frauen. (ebd.:
79) Am 1. Mai, so erklärten sie darüber hinaus spöttisch,
haben »politisch rechte Türken zusammen mit linken Deutschen
die Bullen vertrieben«. (ebd.: 87) Diese Kritik verbanden sie allerdings
ausgerechnet mit einer Kritik am vermeintlich »individualistischen«
Charakter der Randale (ebd.: 79) – obwohl doch das zentrale Kennzeichen
des 1. Mai gerade der kollektive Zerstörungsrausch war.
Trotz aller Kritik konnte jedoch auch diese Fraktion der Autonomen eine
gewisse Begeisterung für die Randale nicht verleugnen – schließlich
waren die Krawalle von ihren Lieblings-Kollektivsubjekten, dem »Volk«,
Migranten und den Kreuzberger Senioren, denen sich das unerträgliche
autonome Einmann-Kleinkunstunternehmen »Quetschenpaua« immer
wieder mit Liedern über widerständige Kiezomas angebiedert hat,
getragen worden. Sie verwiesen dementsprechend auf das »an sich«
berechtigte Anliegen der Plünderer und Randalierer und diskutierten
darüber, wie sie beim nächsten Mal steuernd auf die Ereignisse
einwirken könnten. »Unsere Verantwortung als politische Kraft
liegt darin, uns unserer Rolle darin bewusst zu werden, die Ereignisse
zu beeinflussen, positive Sachen aufzugreifen (…) und negativen
Sachen entgegenzuwirken.« (ebd.) Da die Szene weder mit ihrer Begeisterung
für die »kleinen Leute«, die sich der Revolte angeschlossen
hatten, brechen wollte, noch in der Lage war, Ideologie als etwas anderes
als geschickte Lüge zu begreifen, musste sie diese »negativen
Sachen« auf beeinträchtigende äußere Faktoren zurückführen.
Besonders beliebt waren hierbei die Verweise auf den Teufel Alkohol. »Der
lang angestaute Hass und der Alkohol«, so wurde exemplarisch auf
einem Flugblatt erklärt, das am 3. Mai in Kreuzberg verklebt wurde,
»haben dazu geführt, dass ab Mitternacht einige blind um sich
geschlagen haben.« (Taz vom 4. Mai 1987) Ganz im Sinn dieser Feindbestimmung
intervenierten die Autonomen in den folgenden Jahren regelmäßig
nach dem Vorbild des Tugendwächters. Um die Bevölkerung an den
folgenden Maifeiertagen ganz authentisch, ungekünstelt und frei von
störenden Einflüssen zu sich selbst kommen zu lassen, wurden
in den geplünderten Geschäften kurzerhand die Alkohol-Reserven
zerstört. Ein Bericht von einem warm up für den 1. Mai 1990:
»Zwei Supermärkte gehen zu Bruch. Einer wird von Vermummten
systematisch ausgeräumt, Kaffeepaletten und mit Lebensmitteln gefüllte
Einkaufswagen werden den Leuten draußen vor die Nase gestellt. (…)
Als kaum noch was zu holen ist, geht’s weiter zum nächsten
Supermarkt. Vermummte zertrümmern drinnen jede Flasche Alkohol und
die nächsten bauen draußen eine Barrikade aus Einkaufswagen
und Kisten, die sie mit Brennspiritus aus dem Laden anzünden.«
(Radikal 140: 43)
Leben in der Zeitschleife
20 Jahre später hat sich an dieser Konstellation innerhalb der autonomen
oder inzwischen »postautonomen« Szene nur wenig verändert.
Die Szene scheint sich in einer Zeitschleife zu bewegen. So werden in
den autonomen Wohnküchen, Hinterzimmern oder an Kneipentischen nicht
nur im Zweijahrstakt die immergleichen Militanz-, Organisations- und Vergewaltigungsdebatten
geführt. Auch in den Vorbereitungskreisen für den 1. Mai spielen
sich seit den 80er Jahren nahezu identische Szenen ab. Die Berliner Gruppe
Fels, die bereits Ende Januar zu einem ersten Vorbereitungstreffen für
den diesjährigen 1. Mai einlud, gab diesmal die Rolle des Bedenkenträgers.
Sie erklärte zwar, dass der 20. Jahrestag des »Kiezaufstands«
ein Ereignis sei, »an das es sich zu erinnern lohnt«. [15]
Eine Mobilisierung, die »auf die Randale abhebt«, so lautete
ihre Befürchtung, könnte allerdings die Bevölkerung, die
sich in den letzten Jahren immer seltener an den Riots beteiligte, abschrecken.
Eine Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB), ein Zusammenschluss
mit dem Mammut-Titel Berliner Gruppen organisiert im Anti-G8-Bündnis
für eine revolutionäre Perspektive und zahlreiche andere altbackene
autonome und antiimperialistische Gruppen waren anderer Meinung. Die Linke,
so wurde am Fels-Konzept kritisiert, dürfe sich nicht von der Geschichte
des Kreuzberger 1. Mai distanzieren; das 20. Jubiläum der Kiezrevolte
sei ein »wichtiger Anknüpfungspunkt«. Darüber hinaus
wurde über einen Themenwagen »20 Jahre revolutionärer
1. Mai« diskutiert, über verschiedene Titel und Demonstrationskonzepte
gestritten, die Frage »Tanzdemo oder Black Block« stand im
Raum usw. Das Resultat dieser Diskussionen ist so ermüdend wie irrelevant.
Bei allen Differenzen bestand nämlich Einigkeit darin, dass der 1.
Mai in Berlin als Auftaktveranstaltung für die Proteste gegen den
G8-Gipfel in Heiligendamm genutzt werden soll, wo es die vereinigte Linke
»den Herrschenden« so richtig zeigen will. Während sich
Fels und Anhang diese Proteste als Kampf für eine hyperkeynesianistische
Fürsorgeanstalt ohne Bonzen vorzustellen scheinen, sehnt sich die
andere Fraktion nach der Atmosphäre der Untergangsfilme der 80er
Jahre, nach einer Atmosphäre also, die am 1. Mai 1987 schon einmal
nachgestaltet wurde. Gegen beide, ohnehin komplementären Sehnsüchte
ist selbst die politische Ordnung der Bundesrepublik zu verteidigen.
Ich danke Justus Wertmüller für wertvolle Hinweise.
Anmerkungen
1 Geronimo: Feuer und Flamme, 5. Auflage, Berlin, Amsterdam 1997, S. 175.
2 Heraus zum 1. Mai! Dokumentation: 1. Mai 1987 Kreuzberg, Berlin 1987,
S. 40.
3 Geronimo: Feuer und Flamme, S. 175.
4 Heraus zum 1.Mai! Dokumentation, S. 47.
5 Sven Regeners Kiezroman Herr Lehmann, der gerade in den Kreisen beliebt
sein dürfte, in denen Revolten wie am 1. Mai 1987 verständnisvoll
auf die verzweifelte soziale Situation zurückgeführt werden,
basiert gerade auf dieser Aussage.
6 ITST: Arbeitspaper zur Studie »Jugend in Ostdeutschland«,
Magdeburg, Halle 2006, S. 7.
7 Wolfgang Pohrt: Theorie des Gebrauchswerts [1975], Berlin 1995, S. 53,
59. Pohrt weist darauf hin, dass sich dieser Gedanke schon bei Marx findet:
»Nicht nur, dass sie die Arbeiter unten halten, sei den modernen
Ausbeutern vorzuwerfen, sondern ebenso sehr, dass sie, im Gegensatz zu
den antiken, nicht fähig sind, neidens- und nachahmenswerte Existenzweise
zu nutzen. Die antiken ›entschuldigen etwa die Sklaverei des einen
als Mittel zur vollen menschlichen Entwicklung des anderen. Aber die Sklaverei
der Massen predigen, um einige rohe und halbgebildete Parvenüs zu
eminent spinners, extensive sausage makers und influental shoe black dealers
zu machen, dazu fehlte ihnen das spezifisch christliche Organ.‹
Erst als die Arbeiterbewegungen den Gedanken an eine Revolution allmählich
abschrieben und ihren Mitgliedern den Aufstieg empfahlen, wurde die Qualität
bürgerlichen Reichtums nicht mehr in Frage gestellt und nur noch
dessen ›Umverteilung‹ gefordert.« (ebd.: 52) Bei einigen
traditionslinken Gruppen taucht zwar gelegentlich die Erkenntnis auf,
dass die Produkte unnütz für die Menschen geworden sind. Anstatt
das allerdings den Verhältnissen vorzuwerfen und sie dafür zu
kritisieren, dass sie die Menschen unfähig machen, die schönsten
Erfindungen genießen zu können, haben sich diese Leute aber
bekanntlich entschieden, gegen die Erfindungen, den Luxus, Genuss und
Konsum selbst vorzugehen.
8 Geronimo: Feuer und Flamme, S. 175.
9 Zu den Unruhen vgl. Justus Wertmüller: Der Krieg der Vorstädte
gegen die Frauen, in: Bahamas 49/2006.
10 Vgl. Jan Schwarzmeier: Die Autonomen zwischen Subkultur und sozialer
Bewegung, Göttingen 2001, S. 111.
11 Geronimo: Feuer und Flamme, S. 175.
12 Thomas Schultze, Almut Gross: Die Autonomen, Hamburg 1997, S. 80.
13 Vgl. ebd.
14 Diese vitalistische Stoßrichtung wurde bereits in der ersten
Selbstverständniserklärung der deutschen Autonomen, den »Autonomie-Thesen«
von 1981, angedeutet: »Vielleicht ist Freiheit nur der kurze Moment,
wo der Pflasterstein in die Hand genommen wird, bis zum Zeitpunkt wo er
auftrifft, d.h. der Moment der Veränderung, der Grenzüberschreitung,
der Bewegung.« (Radikal 98: 5) Das ist nicht nur übler Randalekitsch;
die Autonomen, die diese Aussagen begeistert aufnahmen, gaben damit zugleich
zum Ausdruck, dass ihnen – ähnlich wie den Vordenkern des Faschismus
– der Kampf zur eigentlichen Freiheit wird. Thomas Lecortes Schmieren-Roman
Wir tanzten bis zum Ende. Die Geschichte eines Autonomen (Hamburg 1992),
der Anfang der 1990er Jahre in keinem autonomen Bücherregal fehlen
durfte, liest sich dementsprechend streckenweise wie eine Mischung aus
Ernst Jüngers In Stahlgewittern und seinem Der Kampf als inneres
Erlebnis: »Wichtig war der Tag, das Gefühl, der Mut, der Hass,
die Freude. Die Hitze, die dich überflutet beim Vorwärtsstürmen,
beim Flüchten, der kollektive Orgasmus, die Höhepunkte...«
(Thomas Lecorte: Wir tanzten bis zum Ende, S. 110)
15 Fels: Mayday 2007. Guck mal, wer da spricht, in: www.nadir.org/nadir/initiativ/fels/de/2007/02/331.shtml.
Die folgenden Zitate und die Informationen sind u.a. in einer Zusammenstellung
bei Indymedia nachzulesen. http://de.indymedia.org/2007/02/167651.shtml.
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